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Frei­es WLAN: Aus der Inter­net-Stein­zeit nach ganz vor­ne

Stellten das kostenlose WLAN in Arnsberg vor: von links Daniel Wagner (Freifunk), Hans-Jörg Etzler (Verkehrsverein), Bürgermeister Hans-Josef Vogel und Heinz Hahn (Verkehrsverein). (Foto: oe)

Stell­ten das kos­ten­lo­se WLAN in Arns­berg vor: von links Dani­el Wag­ner (Frei­funk), Hans-Jörg Etz­ler (Ver­kehrs­ver­ein), Bür­ger­meis­ter Hans-Josef Vogel und Heinz Hahn (Ver­kehrs­ver­ein). (Foto: oe)

Arns­berg. Von der Inter­net-Stein­zeit direkt in die Neu­zeit. Die­ser Sprung ist in Arns­berg auf dem Alten Markt, dem Stein­weg und dem Neu­markt gelun­gen. Nach sechs­wö­chi­ger erfolg­rei­cher Pro­be­zeit ist das freie WLAN dort jetzt auch offi­zi­ell an den Start gegan­gen. Ermög­licht haben die­ses deutsch­land­weit auf­se­hen­er­re­gen­de und in die­ser Form wohl ein­ma­li­ge Pro­jekt der Ver­kehrs­ver­ein Arns­berg und Frei­funk Rhein­land mit Unter­stüt­zung der Stadt Arns­berg.

Bür­ger­schaft­li­che Orga­ni­sa­ti­on über­zeugt Bür­ger­meis­ter

Auch Bür­ger­meis­ter Hans-Josef Vogel über­zeug­te sich am Frei­tag selbst, wie man pro­blem­los mit zwei Klicks ins welt­wei­te Netz kommt. Auf dem Smart­pho­ne oder Tablet auf WLAN drü­cken und dann auf Frei­funk – und schon ist man im Inter­net, kos­ten­los und zeit­lich unbe­grenzt, ohne Regis­trie­rung oder Pass­wort. Für Vogel ist die­ses kos­ten­lo­se Inter­net „ein Bür­ger­recht wie das Auto­fah­ren auf der Stra­ße”. Er fin­det es groß­ar­tig, dass das, was für ihn im Urlaub in Ita­li­en, Öster­reich oder den Nie­der­lan­den längst selbst­ver­ständ­lich ist, nun auch in der Arns­ber­ger Alt­stadt mög­lich ist und auch den vie­len aus­län­di­schen Tou­ris­ten ange­bo­ten wer­den kann, die so hohe Inter­net­ge­büh­ren spa­ren kön­nen. Aber auch die ein­hei­mi­schen Gas­tro­no­mie­be­su­cher und die vie­len jun­gen Leu­te von den umlie­gen­den Schu­len sieht der Bür­ger­meis­ter als wich­ti­ge Ziel­grup­pen. Über­zeu­gend fin­det Vogel auch die Idee, das freie WLAN-Netz bür­ger­schaft­lich zu orga­ni­sie­ren im Sin­ne einer Sharing Eco­no­my, in der jeder etwas ein­bringt. Er ermu­tig­te dazu, die Idee wei­ter­zu­spin­nen und sag­te auch wei­ter­hin die Unter­stüt­zung der Stadt zu. „Das ist geni­al, das Netz wächst von selbst,” sagt Vogel.

Auf dem Weg zur Num­mer eins

Ohne Passwort, Registrierung und Kosten ins Internet - Freifunk macht es zwischen Glockenturm und Neumarkt möglich. (Foto: oe)

Ohne Pass­wort, Regis­trie­rung und Kos­ten ins Inter­net – Frei­funk macht es zwi­schen Glo­cken­turm und Neu­markt mög­lich. (Foto: oe)

Die Unter­stüt­zung der Stadt für ein bür­ger­schaft­li­ches Netz ist nicht selbst­ver­ständ­lich. In Ber­lin etwa sei dies nicht der Fall, weiß Dani­el Wag­ner. Der Infor­ma­ti­ker, der als Pirat seit zwei Mona­ten auch im Arns­ber­ger Rat sitzt, hält die Kon­tak­te zur Frei­fun­ker­be­we­gung, die nach der Wen­de in Ber­lin ent­stand, weil West­ber­li­ner vom damals deut­lich schnel­le­ren Netz im Ost­teil der Stadt pro­fi­tie­ren woll­ten. Über Frei­funk und zwei Ser­ver in den Nie­der­lan­den umgeht das Arns­ber­ger WLAN-Netz die in Deutsch­land noch gel­ten­de  Stö­rer­haf­tung, die ein sol­ches Pro­jekt noch sehr erschwert, die die Bun­des­re­gie­rung aller­dings abschaf­fen will. Der­zeit habe Ber­lin noch die größ­te Frei­fun­ker-Com­mu­ni­ty, so Wag­ner, doch wenn Arns­berg wei­ter so schnell wach­se wie bis­her, kön­ne es schon bald die Num­mer eins sein.

Kei­ner kann das Netz abschal­ten, ein­fach cool!”

Auch Hans-Jörg Etz­ler, Hör­ge­rä­te­akus­ti­ker vom Stein­weg, der das Pro­jekt als Vor­stands­mit­glied des Ver­kehrs­ver­eins vor­an­treibt, ist von der Dyna­mik der Ent­wick­lung sicht­lich beein­druckt. „Wir sind mit offe­nen Armen auf­ge­nom­men wor­den, die Leu­te sind hell­auf begeis­tert,” schwärmt er. 70 Rou­ter hat er vor sechs Wochen zwi­schen Glo­cken­turm und Neu­markt auf­ge­stellt, in Schau­fens­tern von Geschäf­ten, in Loka­len und Pri­vat­woh­nun­gen. Fast alle an der Mei­le haben mit­ge­macht, so dass ein dich­tes und sta­bi­les Netz geknüpft wer­den konn­te. Schon in der Pro­be­pha­se hat­te sich das neue Ange­bot schnell her­um­ge­spro­chen. So waren an den letz­ten Schul­ta­gen mit­tags nach Schul­schluss an den Bus­hal­ten­stel­len rund um den Neu­markt teils über 100 User gleich­zei­tig online, am Abend des WM-End­spiels sogar rund 200. Eine Bewäh­rungs­pro­be hat das Frei­funk-Netz auch am Don­ners­tag bestan­den, als der Bruch eines Breit­band­ka­bels Zehn­tau­sen­de von Unity­me­dia-Kun­den in Arns­berg und der gesam­ten Regi­on zu einer neun­stün­di­gen Zwangs­pau­se bei Inter­net, Tele­fon und Fern­seh­emp­fang ver­don­ner­te. Weil Frei­funk über sei­ne Rou­ter Inter­net­an­schlüs­se der ver­schie­dens­ten Pro­vi­der zusam­men­schließt, blieb das Netz sta­bil. „Kei­ner kann das Netz abschal­ten, kei­ner kann Zen­sur üben, es ist ein­fach cool,” freut sich Hans-Jörg Etz­ler.

Der nächs­te Schritt geht in die Höhe

Ein Router, den es schon ab 15 Euro gibt, ist die einzige Investition, die man zum mitmachen braucht. (Foto: Hans-Peter Reichartz  / pixelio.de)

Ein Rou­ter, den es schon ab 15 Euro gibt, ist die ein­zi­ge Inves­ti­ti­on, die man zum mit­ma­chen braucht. (Foto: Hans-Peter Reich­artz / pixelio.de)

Dicht und sta­bil ist das Netz also, der nächs­te Schritt soll jetzt in die Höhe gehen, so Dani­el Wag­ner. Auf dem Glo­cken­turm, dem Turm der Auf­er­ste­hungs­kir­che und dem Dach des Stadt­ar­chivs im Klos­ter Weding­hau­sen sol­len neue leis­tungs­star­ke Rou­ter ange­bracht wer­den. Dann kann das Netz wach­sen – in die Alt­stadt, ins Eich­holz, zum Ruhr­tal­rad­weg und in die Neu­stadt. Auch eine Ver­bin­dung bis nach Berg­heim, wo es eine klei­ne Frei­funk-Insel gibt, ist ange­dacht. „Aus dem Stadt­teil­netz soll ein Stadt­netz wer­den,” sagt Etz­ler. Nach­dem der Ver­kehrs­ver­ein für eine Anschub­fi­nan­zie­rung gesorgt und die ers­ten Rou­ter ange­schafft hat, konn­te jetzt die Spar­kas­se als Spon­sor für den wei­te­ren Aus­bau gewon­nen wer­den. Aber auch neue Teil­neh­mer, die ihre Steck­do­se zur Ver­fü­gung stel­len wol­len, sind will­kom­men. Vor­aus­set­zung ist nur eine Sicht­ver­bin­dung zu einem Rou­ter des Net­zes. Der Auf­wand ist gering. Ein han­dels­üb­li­cher Rou­ter, der schon ab 15 Euro zu bekom­men ist, und Strom­kos­ten von geschätzt drei Euro im Jahr sind die ein­zi­gen finan­zi­el­len Belas­tun­gen, die auf neue Mit­glie­der zukom­men. Eine moder­ne Soft­ware stellt auto­ma­tisch nicht genutz­te Inter­net­ka­pa­zi­tä­ten des Teil­neh­mers dem WLAN-Netz zur Ver­fü­gung und macht es damit Schritt für Schritt leis­tungs­fä­hi­ger. Das Frei­funk-Netz hat aber auch eine sozia­le Kom­po­nen­te. Wer nicht genug Geld für einen eige­nen Inter­net­an­schluss hat, kann sich eben­falls per Rou­ter zuschal­ten und teil­ha­ben.

Unend­li­che Mög­lich­kei­ten tuen sich auf

Das Netz kann aber mehr als nur den schnel­len und kos­ten­lo­sen Weg ins Inter­net anbie­ten. In der Wol­ke kön­nen gezielt Infor­ma­tio­nen Ange­bo­ten wer­den. So ver­spricht sich Heinz Hahn, Vor­sit­zen­der des Ver­kehrs­ver­eins, ganz kon­kre­te Vor­tei­le für die Tou­ris­ten­in­for­ma­ti­on außer­halb der Öff­nungs­zei­ten der Geschäfts­stel­le am Neu­markt. Die Info­ta­feln, die der Ver­kehrs­ver­ein bis­her auf­ge­stellt habe, sei­en meist schon nach weni­gen Wochen Opfer von Van­da­lis­mus gewor­den. Mit einem QR-Code im Schau­fens­ter lie­ße sich das Pro­blem ele­gant und effek­tiv lösen, der Rat­su­chen­de bekom­me schnell und gezielt die Infor­ma­tio­nen, die er suche. Für Sehens­wür­dig­kei­ten gilt das glei­che. Ohne lan­ge im Inter­net zu suchen könn­ten sich Besu­cher zum Bei­spiel schnell dar­über infor­mie­ren, wie die „Krim” am Alten Markt zu ihrem Namen kam, eine Fra­ge, die ange­sichts der neu­es­ten Krim-Kri­se so oft gestellt wird wie noch nie. Bei einer ent­spre­chen­den Grö­ße der Wol­ke könn­ten sich dort sogar kos­ten­güns­ti­ger sämt­li­che Infor­ma­tio­nen des Stadt­ar­chivs unter­brin­gen las­sen. Ange­dacht ist auch ein Minia­tur-Glo­cken­turm am Ruhr­tal­Rad­weg mit Öff­nun­gen, durch die die Rad­fah­rer ihre Köp­fe ste­cken kön­nen. Die dort ent­stan­de­nen Bil­der könn­ten dann pro­blem­los direkt in alle Welt gepos­tet wer­den. Auch Radio oder Fil­me in HD-Qua­li­tät gehö­ren zu den unend­li­chen Mög­lich­kei­ten. „Wir wis­sen heu­te noch gar nicht, was wir alles machen kön­nen,” ist Hans-Jörgg Etz­ler sicher.

Infos: www.freifunk-moehne.de

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