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BI Nel­li­us­stra­ße macht „Kom­pro­miss­vor­schlag”

Die Titelseite der Dokumentation der Heimatforscher zu Georg Nellius.

Die neue Doku­men­ta­ti­on zu Georg Nel­li­us, laut Bür­ger­initia­ti­ve von einem „Anklä­ger­gre­mi­um” ver­fasst.

Sundern/Hachen. Die Bür­ger­initia­ti­ve Nel­li­us­stra­ße Hach­en hat am Mon­tag einen „Kom­pro­miss­vor­schlag” an Bür­ger­meis­ter Lins geschickt und um eine kurz­fris­ti­ge Stel­lung­nah­me gebe­ten, „da eine Eini­gung im lau­fen­den Ver­fah­ren nur vor der Abstim­mung im Rat am 06. 02. 2014 erfol­gen kann”. Die BI nennt dar­in den FDP-Vor­schlag, auf die Umbe­nen­nung zu ver­zich­ten und eine Infor­ma­ti­ons­ta­fel zu errich­ten, eine trag­ba­re Lösung. Sie wür­de das Bür­ger­be­geh­ren zurück­zie­hen, wenn der Rat sich für die­se Lösung ent­schei­de. Die BI schreibt auch, sie sei an die Wie­der­her­stel­lung des inne­ren Frie­dens in der Stadt inter­es­siert. Gleich­wohl spricht sie trotz der kla­ren Hal­tung der drei Rats­frak­tio­nen von CDU, SPD und Grü­nen von einer Pres­se­kam­pa­gne und nennt die Autoren der neu­en Nel­li­us-Doku­men­ta­ti­on ein „Anklä­ger­gre­mi­um”.

„Neue Doku­men­te … sind nichts Neu­es”

Die Stel­lung­nah­me der BI im Wort­laut:

„In der Pres­se­kam­pa­gne der Nel­li­us-Anklä­ger wird die Bür­ger­initia­ti­ve zuneh­mend kri­tisch beur­teilt. Wir stel­len hier noch­mals fest, dass sich der Rat der Stadt bereits im Vor­feld auf eine Umbe­nen­nung der Nel­li­us­stra­ße geei­nigt hat­te, ohne die Anwoh­ner aus­rei­chend zu infor­mie­ren.

Die vom Anklä­ger­gre­mi­um vor­ge­stell­ten neu­en Doku­men­te im 2. Anlauf bau­en auf den alten Vor­wür­fen gegen Nel­li­us auf und sind nichts Neu­es. Nel­li­us konn­te kei­ne Betei­li­gung an den Mord­ak­tio­nen der Nazis nach­ge­wie­sen wer­den hat­te sich aber als Kom­po­nist dem Sys­tem zur Ver­fü­gung gestellt, des­halb wur­de er zunächst von den Alli­ier­ten nach Sich­tung der Doku­men­te als „min­der­be­las­tet“ und in einem wei­te­ren Ent­na­zi­fi­zie­rungs­ver­fah­ren unter Ver­neh­mung zusätz­li­cher Zeu­gen als unbe­las­tet ein­ge­stuft. Die­ses, heu­te von den Anklä­gern als  „Per­sil­schein” dar­ge­stell­te Doku­ment, wur­de dem Rat der Stadt erst durch die BI kennt­lich gemacht und hat wei­ter­hin Gül­tig­keit.

Es ist falsch, dass die BI nicht kom­pro­miss­be­reit ist. Der Vor­schlag der FDP, den Stra­ßen­na­men zu belas­sen und eine Infor­ma­ti­ons­ta­fel über die Licht- und Schat­ten­sei­ten des Kom­po­nis­ten zu errich­ten, wird begrüßt. Die BI sieht dar­in eine trag­ba­re Lösung, die wei­te­ren Stra­ßen­um­be­nen­nun­gen einen Rie­gel vor­schiebt. Wer garan­tiert uns, dass nicht dem­nächst die Namen Wil­li Wey­er, Hein­rich Lüb­ke oder auch Chris­ti­ne Koch zur Debat­te ste­hen? In der Zeit­schrift „Der Spie­gel“ Ausg. 6 S. 46 „His­to­ri­scher Exor­zis­mus“ ist dazu ein sehr guter Bericht zu lesen.

Die BI ist der Ansicht, dass genü­gend Unfrie­den in die Gemein­de getra­gen wur­de und befür­wor­tet eine Lösung, die den mit hohem finan­zi­el­len Auf­wand ver­bun­de­nen Bür­ger­ent­scheid hin­fäl­lig macht. Die BI wür­de das Bür­ger­be­geh­ren zurück­neh­men, wenn der Rat im Gegen­zug der Kom­pro­miss­lö­sung der BI zustim­men wür­de. Die Bür­ger­initia­ti­ve wür­de die­se Lösung zum Woh­le unse­rer Stadt und zur Wie­der­her­stel­lung des inne­ren Frie­dens begrü­ßen und auch als ein Signal nach außen ver­ste­hen.”

Bür­ger­meis­ter Lins: Wer­tung des Vor­schlags Sache des Rats

Die Ant­wort von Bür­ger­meis­ter Det­lef Lins an die Bür­ger­initia­ti­ve kam schnell und war kurz: „Ich bestä­ti­ge den Ein­gang Ihrer Mail.  Eine Wer­tung Ihres Vor­schla­ges kann nur der Rat selbst vor­neh­men. Er wird dies aber sicher­lich in der Rats­sit­zung am Don­ners­tag vor der eigent­li­chen Abstim­mung machen.”

 

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4 Kommentare zu BI Nel­li­us­stra­ße macht „Kom­pro­miss­vor­schlag”

  • Die­ser „Kom­pro­miss-Vor­schlag” beweist eigent­lich nur, dass die Spre­cher der BI in der Nel­li­us-Stra­ße über­haupt nichts begrif­fen haben. Die Wort­wahl gegen­über den Herrn Neu­haus, Gos­mann und Bür­ger ist eine Frech­heit. Das gan­ze Ent­na­zi­fi­zie­rungs­ge­re­de wird auch nach fast 70 Jah­ren nicht mensch­li­cher oder klü­ger. Ich hof­fe nur, dass nie­mand auf die­sen gif­ti­gen Vor­schlag ein­geht.

  • Das ist ein kläg­li­cher Ver­such der BI, die eige­ne Fehl­ein­schät­zung der Per­sön­lich­keit Nel­li­us´ zu rela­ti­vie­ren. Erst beruft man sich auf ein Ent­na­zi­fi­zie­rungs­ver­fah­ren, dabei weiß man heu­te sehr gut, dass bei denen oft schmut­zi­ge Wahr­hei­ten weiß gewa­schen wur­den, nicht umsonst hieß es „Per­sil­schein”. Aber Nel­li­us soll­te eben unbe­dingt als harm­lo­ser Mit­läu­fer hin­ge­stellt wer­den. Die BI soll­te sich doch ange­sichts der neu­en Erkennt­nis­se fra­gen, wie vie­le ihrer Unter­schrif­ten noch Gül­tig­keit haben. Und sich kon­fu­zia­nisch sagen: Wer einen Feh­ler gemacht hat und ihn nicht kor­ri­giert, begeht einen zwei­ten.

  • Ein wenig mehr Detail­kennt­nis­se, die nicht nur auf der, von einem selbst ernann­ten, „Hei­ma­this­to­ri­ker”
    namens Peter Bür­ger, beru­hen­den Kennt­nis­se beru­hen, wären ange­bracht.
    Ken­nen die Kri­ti­ker sein Gesamt­werk von über 450 Kom­po­si­tio­nen sei­ner , der Sauer­län­der Lyrik
    gewid­me­ten , Kom­po­si­tio­nen? Eine Chris­ti­ne Koch wür­de sich in Kennt­nis der Vor­wür­fe gegen­über ihrem För­de­rer im Gra­be umdre­hen. War sie auch braun oder kann­te sie den wah­ren Nel­li­us, mit dem sie auch nach 1945 den Kon­takt pfleg­te?

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