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BI Amecke 21 erzählt Märchen von Blaumilch-Projekt

(Foto: luise  / pixelio.de)
(Foto: lui­se / pixelio.de)

Die Bürgerinitiative Amecke 21 kämpft gegen einen überdimensionierten Ferienpark in ihrem Ort.
Ame­cke. Die Bür­ger­initia­ti­ve „BI Ame­cke 21 – für einen sanf­ten Tou­ris­mus“ hat ein moder­nes Mär­chen geschrie­ben und dabei Anlei­hen bei der inzwi­schen schon 43 Jah­re alten, aber sei­ner­zeit sehr erfolg­rei­chen Büro­kra­tie-Sati­re „Der Blaumilch­ka­nal“ des israe­li­schen Schrift­stel­lers Ephraim Kis­hon gemacht.
„Uns ist bewusst, dass der Umfang unse­res „Mär­chens“ heut­zu­ta­ge nahe­zu jeden Rah­men für eine Ver­öf­fent­li­chung sprengt – den­noch wol­len wir Ihnen die­se „Mär­chen­stun­de“ nicht vor­ent­hal­ten …“ schreibt Mari­on Nei­te­ler von der BI in ihrer Pres­se­mit­tei­lung. Der Blick­punkt ver­öf­fent­licht das Mär­chen hier  in vol­ler Länge:
 

Das Märchen vom Blaumilchprojekt …

Es war ein­mal ein Bür­ger­meis­ter, der hieß Det­lef Blaumilch. Es war ein Bür­ger­meis­ter, wie es ihn vie­le gab im Land: Er hat­te Ähn­lich­keit mit einem Kän­gu­ru, weil er gro­ße Sprün­ge mach­te, aber außer 100 Mil­lio­nen Euro Schul­den nichts in sei­nem Beu­tel hat­te. Da kam eines Tages ein harm­los aus­se­hen­der grau­haa­ri­ger, freund­lich lächeln­der Mann vor­bei. Der hat­te einen gro­ßen Käse in der Hand und eigen­ar­ti­ge Schu­he aus Holz an den Füs­sen. Der älte­re Mann sprach: „Lie­ber Det­lef, Franz hat gesagt, du möch­test gro­ße Sprün­ge machen, hast aber kein Geld. Nun ich kom­me aus einem fer­nen fla­chen Land, in dem es vie­le Leu­te mit viel Geld gibt, das die­se ger­ne für den Bau von Feri­en­parks aus­ge­ben möch­ten. In die­se Feri­en­parks kom­men dann noch mehr Men­schen aus dem fla­chen Land am Meer und geben ihr Geld in dei­ner Stadt aus. Dei­ne Stadt wird zu einem Land, in dem Blaumilch und Honig flie­ßen. Du und dei­ne Unter­ta­nen wer­den von gol­de­nen Tel­lern essen und du wirst bis an dein Lebens­en­de wie­der­ge­wählt wer­den. Ver­lass dich d´rauf. Die Leu­te wol­len das. Sie wer­den dir glau­ben, ein Feri­en­park brin­ge Arbeits­plät­ze und vie­le Tou­ris­ten. Du musst also kei­ne Angst haben, dass jemand gegen das Pro­jekt ist.“
Det­lefs Augen strahl­ten, denn der Mann mit den Holz­schu­hen ver­sprach ihm noch viel mehr: frei­wil­lig für jeden Über­nach­tungs­gast einen Euro zu bezah­len, einen wun­der­ba­ren Frei­zeit­pa­last zu bau­en, in dem alle Bür­ger aus Det­lefs Stadt öffent­lich schwim­men dürf­ten. Mit der frei­wil­li­gen 1‑Eu­ro-Abga­be kön­ne sich Det­lef außer­dem noch vie­le ande­re Träu­me erfüllen.
Und wirk­lich, der wei­se Mann mit den Schu­hen aus Holz hat­te Recht: Kaum ein Bür­ger aus Det­lefs Reich war gegen das die pure Glück­se­lig­keit ver­hei­ßen­de Pro­jekt – kaum einer, denn hin­ter den Ber­gen, dort, wo das Pro­jekt einst gebaut wer­den soll­te, da gab es dann doch den ein oder ande­ren, der Zwei­fel heg­te an den all­zu ver­lo­ckend klin­gen­den Ver­spre­chun­gen. „Wel­che ande­ren Feri­en­parks hat der Inves­tor denn schon geplant?“, frag­ten die Zweif­ler Det­lef Blaumilch. „Ach“, erwi­der­te der, „ der Inves­tor ist ein Voll­pro­fi und er hat bereits meh­re­re ähn­li­che Pro­jek­te erfolg­reich durch­ge­führt und schon ande­re Städ­te mit sei­nen Wohl­ta­ten beglückt.“ Wel­che, das konn­te Det­lef aber noch nicht sagen. Irgend­wann wur­de dann in der Eifel ein Park besich­tigt, den die freund­li­chen Men­schen aus dem fla­chen Land gebaut hat­ten. Det­lefs Mit­strei­ter waren über das, was sie sahen, aller­dings eher scho­ckiert. Der aber beru­hig­te sei­ne Man­nen schnell, denn in ihrem Dorf wer­de alles ganz anders, vor allem aber viel schö­ner werden.
Die Zweif­ler aber hat­ten den­noch Angst, dass der Schul­den­berg ihrer Stadt höher und höher wer­den wür­de. „Nein, nein“, beru­hig­te Det­lef sie, sie könn­ten unbe­sorgt sein, „da es sich um ein rein pri­vat­wirt­schaft­li­ches Pro­jekt ohne finan­zi­el­le Ver­pflich­tun­gen der Stadt Sun­dern han­delt. Wenn der Betrei­ber Plei­te geht, ist uns das erst ein­mal egal. In die­sem Fall ver­lässt man sich dar­auf, dass man schon einen neu­en Betrei­ber findet.“
Fort­an war fast täg­lich etwas über Det­lefs Pro­jekt in den Zei­tun­gen zu lesen, so etwa im Dezem­ber des Jah­res 2009: Im Jahr 2012 wer­de der Feri­en­park in Ame­cke eröff­net, gleich­zei­tig wür­de der Betrei­ber oder die Sor­pe­see GmbH das kom­plett reno­vier­te Frei­bad prä­sen­tie­ren – und ein Rad­weg ver­bin­de Sun­dern und Amecke.
Oder im März des Jah­res 2010, als es hieß, das Frei­bad sei geret­tet, eine Well­ness­oa­se kom­me und der Inves­tor wol­le den Park in eine ruhi­ge und eine akti­ve Zone tei­len. In der letz­te­ren wer­de das Frei­bad wei­ter­hin exis­tie­ren, aller­dings müs­se es zu die­sem Zweck umge­baut und moder­ni­siert wer­den. „Die Inves­to­ren haben erkannt, wel­ches Poten­zi­al das Bad besitzt“, freu­te sich Det­lef Blaumilch.
Und im Dezem­ber des Jah­res 2010 hieß es „ … grü­nes Licht für Rie­sen­pro­jekt – Feri­en­park Ame­cke wird gebaut … geplan­te Eröff­nung Ostern 2013 …“ Und im Novem­ber des Jah­res 2011: … Feri­en­park Ame­cke kann gebaut wer­den … auch ein Betrei­ber ist gefun­den … die­ser deut­sche Betrei­ber wird neben dem 4‑S­ter­ne-Feri­en­dorf auch ein 4‑S­ter­ne-Hotel in Ame­cke bau­en … Plä­ne wer­den im Dezem­ber vorgestellt …
Und im Dezem­ber 2011: … der hol­län­di­sche Inves­tor habe am Don­ners­tag sein Kom­men abge­sagt … aber er lie­ße ver­si­chern, ein Bau­start in 2012 sei wei­ter­hin sei­ne Absicht … da man das Pro­jekt inzwi­schen von einer 3- auf eine 4‑S­ter­ne-Stu­fe auf­ge­wer­tet habe, ver­län­ge­re sich jedoch die Bauzeit …
Und im Mai 2012 sag­te der grau­haa­ri­ge Mann mit den Schu­hen aus Holz: „Wir wol­len einen Feri­en­park, ein Vier-Ster­ne-Hotel und eine Frei­zeit­an­la­ge inte­grie­ren, … so wol­len wir ein gro­ßes Frei­zeit­an­ge­bot her­stel­len und einen maxi­ma­len Syn­er­gie­ef­fekt errei­chen … das Gesamt­kon­zept soll im vier­ten Quar­tal 2012 fer­tig sein.“
Im Okto­ber des Jah­res 2012 war zu lesen, dass die Rodun­gen für Det­lefs Pro­jekt noch in sel­ben Jahr begon­nen wür­den. Dass es zwar noch kei­ne Plä­ne gebe, aber vie­le inter­es­san­te Details rund um den Ferienpark.
Es ging dann auch tat­säch­lich los. Auf dem zukünf­ti­gen Bau­ge­län­de wur­de aus einem grü­nen Wald eine öde Mond­land­schaft, da der Bau­be­ginn ja unmit­tel­bar bevorstehe.
Nur ein­mal war die Ent­täu­schung groß, als der Mann mit den Schu­hen aus Holz im April 2013 bei Det­lef anrief und sag­te, er kön­ne nicht zum ver­ein­bar­ten Ter­min erschei­nen. Da waren auch die Poli­ti­ker ent­täuscht. Sie sag­ten, der grau­haa­ri­ge Mann mit den Schu­hen aus Holz habe sei­ne Glaub­wür­dig­keit ver­spielt. Aber dann ver­sprach der grau­haa­ri­ge Mann, dass die Ziel­pla­nung in zwei Mona­ten vor­lie­gen wer­de und rund 80 bis 100 Ein­hei­ten ver­kauft sein müss­ten, um zu begin­nen. Aber Bau­be­ginn wer­de auf jeden Fall Ende 2014 sein und in eine ers­te Bau­pha­se wer­de auf jeden Fall das Schwimm­bad inte­griert, das spä­ter öffent­lich zugäng­lich sei.
Doch im Mai des Jah­res 2013 teil­te Det­lef Blaumilch mit, da sich die Suche der hol­län­di­schen Inves­to­ren nach einem Betrei­ber für die Feri­en­haus­an­la­ge ver­zö­ge­re, sei der Bebau­ungs­plan bis­lang noch nicht umge­setzt wor­den. Außer­dem wür­den die der­zei­ti­gen Pla­nun­gen und kon­zep­tio­nel­len Ideen der Inves­to­ren vor­aus­sicht­lich eine Ände­rung des bestehen­den Bebau­ungs­pla­nes erfor­der­lich machen.
Oh Schreck: Im August 2013 mel­de­te die Golf­sport Sor­pe­see GmbH Zah­lungs­un­fä­hig­keit an. Und Det­lef sag­te, dass auf­grund von Unei­nig­kei­ten mit den hol­län­di­schen Inves­to­ren und einer ein­her­ge­hen­den Ver­zö­ge­rung in der Rea­li­sie­rung des Feri­en­parks sein Plan nicht auf­ge­gan­gen sei.
Und dann zer­platz­te ein wei­te­rer von Det­lefs Träu­men: Der mit den Gastwelten.
Doch schon im Sep­tem­ber 2013 beru­hig­te Det­lef Blaumilch alle sei­ne Unter­ta­nen wie­der: Das Frei­bad­pro­blem wer­de umfas­send gelöst, der Abriss könn­te schon bald erfol­gen bei einer Erb­pacht­ab­lö­sung von 540.000 €, 31.800 € Notar- und Grund­er­werbs­steu­er, 140.000 € Abriss­kos­ten ergä­be das eine Sum­me von 711.800 € …
Der Bau­be­ginn des Parks wer­de im Früh­jahr 2014 sein. Aller­dings sol­le der Ein­gangs­be­reich, der durch die Ver­schwen­kung der Land­stra­ße nun ande­re Dimen­sio­nen bekom­men habe, über­plant wer­den. Ende Novem­ber bzw. Anfang Dezem­ber, so ver­si­cher­te Det­lef Blaumilch, wer­de die Grup­pe die genau­en Plä­ne vor­stel­len. Einen Tag spä­ter wür­den die Inves­to­ren die Gesamt­kon­zep­ti­on des Parks dann in der Schüt­zen­hal­le von Ame­cke der Bevöl­ke­rung in einer Bür­ger­ver­samm­lung präsentieren …
Oh, wie freu­ten sich die Ame­cker!! Sie wuss­ten: Auf Det­lef Blaumilch konn­ten sie sich ver­las­sen. Seit eh und je zeich­ne­te sich sei­ne Amts­füh­rung durch Trans­pa­renz, Glaub­haf­tig­keit, kei­ne ein­zi­ge Fehl­ein­schät­zung, abso­lu­te Offen­heit der Poli­tik und den Bür­ger gegen­über und eine sou­ve­rä­ne Ver­hand­lungs­po­si­ti­on gegen­über dem Mann mit den Schu­hen aus Holz aus.
Kurz vor Weih­nach­ten 2013 muss­te dann aber auch noch eine wei­te­re für den Bau des Feri­en­par­kes und die tou­ris­ti­sche Ent­wick­lung sehr wich­ti­ge Fir­ma, die von Freund Franz gelei­tet wur­de, näm­lich die Sun­dern Pro­jekt GmbH, Insol­venz anmel­den. Da waren dann alle sehr auf­ge­regt, weil sich die­se Fir­ma bei den Freun­den des grau­haa­ri­gen Man­nes viel Geld gelie­hen hat­te, das die­se nun tat­säch­lich von Det­lef wie­der haben woll­ten. Det­lef hat­te jetzt den Franz nicht mehr lieb und trau­rig nahm die­ser sei­nen Hut und ging zu dem freund­lich lächeln­den, grau­haa­ri­gen Mann mit dem Käse unter dem Arm, der ihn lie­be­voll aufnahm.
Auch heu­te noch – wir schrei­ben mitt­ler­wei­le den März des Jah­res 2014 – sind alle zuver­sicht­lich, dass Det­lefs Träu­me sich erfül­len. Zwar hat der Mann mit den Schu­hen aus Holz gesagt, er und sei­ne Freun­de sei­en trau­rig, dass eini­ge in Det­lefs Reich sie nicht lieb haben. Und dass er das öffent­li­che Schwim­men nun doch nicht ermög­li­chen kön­ne, weil Det­lef ihm die Grund­stü­cke, die er ihm eigent­lich ver­spro­chen hat­te, nun doch nicht schen­ken wür­de, sei er, der Mann mit den Schu­hen aus Holz,  jetzt unglück­lich, gro­ße häss­li­che Häu­ser in den Ein­gangs­be­reich sei­nes Feri­en­parks set­zen zu müs­sen. Und damit sich das für ihn und die Geld­ge­ber aus dem Fer­ne loh­ne, müs­se er auch noch mehr Häu­ser in den Feri­en­park bau­en. Aber Det­lef Blaumilch macht das nix. Er träumt wei­ter. Und wenn er nicht gestor­ben ist, so träumt er auch noch heute.
 

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