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2015 – ein Jahr des Auf­bruchs mit Arns­bergs 13. Kind

Ein "Wir sind in Gedanken bei Euch!" schickte Bürgermeister Vogel über die Freunde des Franz-Stock-Komitees nach Frankreich. (Foto: oe)

Ein „Wir sind in Gedan­ken bei Euch!” schick­te Bür­ger­meis­ter Vogel über die Freun­de des Franz-Stock-Komi­tees nach Frank­reich. (Foto: oe)

Arns­berg. Ein gro­ßes „Je suis Char­lie” zu Beginn wäh­rend der Rede des Bür­ger­meis­ters, ein Orts­schild „Sili­con Sauer­land” am Ende des Vor­trags von Tri­lux-Chef Micha­el Huber, zwei strah­len­de jun­ge Sport­ler­ge­sich­ter dazwi­schen sowie bes­te Unter­hal­tung mit der FSG-Big­band und einer elf­mi­nü­ti­gen Licht­show, das sind die Bil­der, die vom Drei­kö­nigs­emp­fang der Stadt Arns­berg am Sonn­tag abend im Sauer­land­thea­ter in Erin­ne­rung blei­ben. Bür­ger­meis­ter Vogel for­der­te auf, im neu­en Jahr – in einem Jahr des Auf­bruchs für Arns­berg – unse­re kul­tu­rel­len Wer­te und gemein­sa­me Frei­hei­ten, die Euro­pa aus­ma­chen, zu bewah­ren, aber auch neue inno­va­ti­ve Wege zu gehen, um unser Lebens­um­feld attrak­ti­ver zu machen. Dabei sei­en Auf­brü­che immer auch Abbrü­che.

In Gedan­ken beim Schwei­ge­marsch in Paris dabei

Die Bedeu­tung von „Licht im Wan­del” im aktu­el­len Licht­jahr der Ver­ein­ten Nati­on war das zen­tra­le The­ma des Jah­res­emp­fangs, zu dem meh­re­re hun­dert Gäs­te ins Sauer­land­thea­ter gekom­men waren. Über­schat­tet wur­de das natür­lich von den jüngs­ten Ereig­nis­sen in Frank­reich. So sand­te Bür­ger­meis­ter Franz-Josef Vogel über den Vor­sit­zen­den des hei­mi­schen Franz-Stock-Komi­tees Tho­mas Bertram eine Bot­schaft an das fran­zö­si­schen Part­ner­ko­mi­tee: „Unse­re Stadt – Arns­ber­ge­rin­nen und Arns­ber­ger mit Wur­zeln in 110 Natio­nen und mit unter­schied­li­chen reli­giö­sen Tra­di­tio­nen -trau­ern um die Opfer der bar­ba­ri­schen Anschlä­ge in Paris. Wir neh­men hier in unse­ren Gedan­ken am Schwei­ge­marsch in Paris teil. Und wir freu­en uns auf die Eröff­nung der gro­ßen Franz-Stock-Aus­stel­lung im Mai in Paris.”

Gruß in Ara­bisch an Neu­an­kömm­lin­ge aus Syri­en

Im sauerlandtheater fand der Dreikönigsempfang statt. (Foto: oe)

Im Sauer­land­thea­ter fand der Drei­kö­nigs­emp­fang statt. (Foto: oe)

Begon­nen hat­te Vogel mit einem Gruß an die neu­en Arns­ber­ger des Jah­res 2015, an Mats, Ben­net Oli­ver sowie Juli­an, die ers­ten Neu­ge­bo­re­nen im Kli­ni­kum zu begrü­ßen, aber auch an die Neu­an­kömm­lin­ge aus Syri­en, Marok­ko, Geor­gi­en und dem Koso­vo. Vogel: „Ich begrü­ße ganz beson­ders unse­re neu­en Bür­ger aus Syri­en, die zum Teil auch auf den berüch­tig­ten Flücht­lings­boo­ten zu uns gekom­men sind.  Ach­lan woa sach­lan bikum fi Arns­berg! Jamil, ana­kom ji’itum! Herz­lich Will­kom­men in Arns­berg! Schön, dass Sie da sind!”

2014 mehr Zuzü­ge als Fort­zü­ge

Vogel berich­te­te, dass im ver­gan­ge­nen Jahr 868 Per­so­nen aus ver­schie­de­nen Län­dern nach Arns­berg gekom­men sind, fast 50 Pro­zent mehr als 2013. Knapp 40 Pro­zent der „Neu­en“  kamen aus Län­dern der Euro­päi­schen Uni­on. Füh­ren­de Her­kunfts­län­der waren 2014 Ser­bi­en (159 Per­so­nen), Polen (128), Ita­li­en (82) und Syri­en (74). „Wir sehen schon dar­an, wie viel­fäl­tig Zuwan­de­rung und wie viel­fäl­tig Inte­gra­ti­on ist,” so Vogel, der auch auf einen beson­de­ren Effekt die­ses Zustroms hin­wies. „Arns­berg hat­te 2014 seit län­ge­rer Zeit wie­der mehr Zuzü­ge als Fort­zü­ge.”

„Viel­falt bringt Gewinn für alle”

„Unter­schied­li­che Kul­tu­ren tra­gen zur Leben­dig­keit unse­rer Stadt, zum Erfolg unse­rer Wirt­schaft und – um einen wei­te­ren Bereich zu nen­nen – zum Erfolg unse­res Gesund­heits­we­sens bei. Den­ken Sie nur an die jun­gen Ärz­te, an die Pfle­ge­kräf­te mit Zuwan­de­rungs­hin­ter­grund,” sag­te Vogel. „Unter­schied­li­che Kul­tu­ren stel­len uns aber auch vor Her­aus­for­de­run­gen. Wenn wir mit Viel­falt wirk­lich aner­ken­nend umge­hen, ist es eine loh­nen­de Auf­ga­be, die Gewinn für alle bringt. Die 50-jäh­ri­ge Inte­gra­ti­ons­ge­schich­te Arns­bergs zeigt dies bei­spiel­haft.” Vogel kün­dig­te Kon­zep­ten an, die mit den Zuwan­de­rern erar­bei­tet wer­den sol­len, und nann­te als The­men „Indi­vi­du­el­le schu­li­sche För­de­rung“, „Beruf­li­che Nach­wuchs­för­de­rung“, „Woh­nungs­markt“ und „Stär­kung der Posi­tio­nen auf dem Arbeits­markt“.

Der Bür­ger­meis­ter dank­te den Schu­len für die schnel­le Grün­dung der soge­nann­ten Vor­be­rei­tungs­klas­sen für die Kin­der und Jugend­li­chen der Flücht­lings­fa­mi­li­en, zitier­te einen Vater mit dem Satz „Wir wol­len alles tun, damit unse­re Kin­der neben ihrer Hei­mat nicht auch noch ein Jahr ver­lie­ren.“  und for­der­te dazu auf, mehr zu tun: „Die Schu­len mit den Vor­be­rei­tungs­klas­sen brau­chen Unter­stüt­zung beim Ler­nen im Stadt­teil, bei Exkur­sio­nen oder auch, wenn ein­fach nur Sport­klei­dung fehlt.”

Ehrung für zwei jun­ge Sport­ler

Ehrung für die beiden jungen Sportler Annika Deilmann und Moritz Kemper. Bürgermeister Vogel gratulierte mit Blumen. (Foto: oe)

Ehrung für die bei­den jun­gen Sport­ler Anni­ka Dell­mann und Moritz Kem­per. Bür­ger­meis­ter Vogel gra­tu­lier­te mit Blu­men. (Foto: oe)

Neben zahl­rei­chen Gäs­ten aus Poli­tik und Ver­wal­tung, Wirt­schaft und Kul­tur begrüß­te der Bür­ger­meis­ter auch die Lebens­ret­ter Elke und Wolf­gang Swo­ra aus Wen­nig­loh. Mit Blu­men gra­tu­lier­te er zwei jun­gen Sport­lern, die sich als Titel­trä­ger ins Gol­de­ne Buch der Stadt ein­tra­gen durf­ten. Anni­ka Dell­mann vom MSK Neheim-Hüs­ten war 2014 die erfolg­reichs­te Teil­neh­me­rin der Mini­golf-Jugend­welt­welt­meis­ter­schaf­ten in Lah­ti, wo sie Gold mit der Mann­schaft und im Match­play und die Sil­ber im Stroke­play hol­te. Moritz Kem­per, Schwim­mer beim SV Nep­tun,  hat bei den Deut­schen Jahr­gangs­meis­ter­schaf­ten in Ber­lin Gold über 50 m Brust und Sil­ber über 100 m Brust gewon­nen. Auf­grund sei­ner Leis­tun­gen ist er in das Juni­or-Top-Team des NRW-Schwimm­ver­ban­des beru­fen wor­den und konn­te jetzt an einem Trai­nings­la­ger in Süd­afri­ka teil­neh­men. „Klas­se,” so Vogel.

Vie­le neue Pro­jek­te ken­nen nur noch eine Stadt­fa­mi­lie

Der Bür­ger­meis­ter erin­ner­te auch an die Kom­mu­na­le Neu­ord­nung vor 40 Jah­ren, zeig­te eine Kari­ka­tur der wenig erfreu­ten künf­tig Ehe­part­ner, die Rücken an Rücken ste­hend „Jein!” sagen, wäh­rend ihre jeweils sechs leb­haf­ten Kin­der, die bis dahin selb­stän­di­gen Dör­fer, um sie her­um toben. „Die Lie­be kommt mit dem 13. Kind!” hat­te der Zeich­ner damals geti­telt.

Arnsberg-Logo„Heu­te wür­de man die­se Ver­bin­dung als Patch­work-Fami­lie bezeich­nen, mit einem Begriff, den es damals nicht gab,”  sag­te Vogel und frag­te: „Sind wir eine Patch­work-Stadt geblie­ben? Eine Patch­work-Stadt ohne gemein­sa­mes Fami­li­en­fest?  Oder ist bezeich­nen­der­wei­se der Dies Inter­na­tio­na­lis auf der Nehei­mer Markt­plat­te unser Stadt­fest?” Und er gab Ant­wor­ten: „Das Jugend-Pro­jekt Gene­ra­ti­on Zukunft, das wir 2015 wei­ter umset­zen, die Pro­jek­te der Stadt des lan­gen Lebens, die Ruhr­re­na­tu­rie­rung, die Digi­ta­li­sie­rung, die Ener­gie­wen­de, das Nass, das Kli­ni­kum ken­nen nur noch eine Stadt-Fami­lie. 40 Jah­re nach der Rücken-an-Rücken-Trau­ung fei­ern wir 2015 erst­mals einen gemein­sa­men Schüt­zen­tag. 40 Jah­re nach der Rücken-an-Rücken-Trau­ung füh­ren wir unse­re Kräf­te im Mar­ke­ting zusam­men, um die gesam­ten Stär­ken, Leis­tun­gen und Kom­pe­ten­zen die­ser Stadt für die jewei­li­gen Ziel­grup­pen zu zei­gen, aber auch um die digi­ta­le Auf­find­bar­keit deut­lich zu ver­bes­sern.” Vogels Fazit: „Wenn die Kom­mu­na­le Neu­glie­de­rung Sinn macht, dann jeden­falls jetzt 40 Jah­re spä­ter. Die Gestal­tung des Neu­en, des Wan­dels ist bes­ser gemein­sam zu meis­tern als getrennt. Wir leben heu­te in einer Zeit nie gekann­ten Wan­dels.”

Die digi­ta­le Stadt ist das 13. Kind

So hat Vogel nach 40 Jah­ren auch die Geburt des 13. Kin­des aus­ge­macht: „Es ist ein ande­res Kind als sich der Kari­ka­tu­rist vor­ge­stellt hat, wes­halb es auch nicht dar­auf ankommt, ob die 13 Unglücks- oder Glücks­zahl ist. Es ist die Gestal­tung der Digi­ta­li­sie­rung der Stadt. Es ist das digi­ta­le Arns­berg. Arns­berg und zwar die gan­ze Stadt wird zur digi­ta­len Stadt und die digi­ta­le Stadt ermög­licht uns viel Neu­es. Auch zu Gestal­tung des Wan­dels.” Über den Wan­del der digi­ta­len Stadt kam Vogel auch zum The­ma des Tages, dem Wan­del des Lichts. Als Fest­red­ner des Abends kün­dig­te er einen von Deutsch­lands Top-Mana­gern an, Micha­el Huber, der nicht nur die Geschi­cke von Deutsch­lands größ­tem Leuch­ten­her­stel­ler Tri­lux in Arns­berg lei­tet, son­dern auch die der Vel­tins-Braue­rei.

Neu­es Licht aus dem „Sili­con Sauer­land”

Michael Huber, Generalbevollmächtigter der Firma Trilux,  setzt auch die Zukunft des Lichts und sieht gute Chancen für ein "Silicon Sauerland". (Foto: oe)

Micha­el Huber, Gene­ral­be­voll­mäch­tig­ter der Fir­ma Tri­lux, setzt auch die Zukunft des Lichts und sieht gute Chan­cen für ein „Sili­con Sauer­land”. (Foto: oe)

Huber berich­te­te den Gäs­ten von einer neu­en Welt des Lichts, von einem gigan­ti­schen Umbruch, den das Zau­ber­wort LED aus­ge­löst habe, und der dazu füh­ren wer­de, dass in zehn Jah­ren nicht nur die Glüh­bir­ne, son­dern auch der Licht­schal­ter der Ver­gan­gen­heit ange­hö­ren wer­de. Die LED-Tech­no­lo­gie sei schon über zehn Jah­re alt und anfangs auch von Tri­lux unter­schätzt wor­den, sag­te Huber und berich­te­te von gewal­ti­gen Ein­spar­po­ten­zia­len, denn 19 Pro­zent der welt­weit ver­brauch­ten Ener­gie wür­den noch für Licht-Strom auf­ge­wandt. Allein in Euro­pa sei­en durch LED Ein­spa­run­gen von 14,6 Mil­li­ar­den Euro mög­lich, davon zwei Drit­tel in den Pri­vat­haus­hal­ten. Auch das öko­lo­gi­sche Poten­zi­al sei mit 23 Mio. Ton­nen ein­zu­spa­ren­dem CO² gewal­tig.

Und er berich­te­te, wie Licht intel­li­gent wird, wie es nur dann und dort ein­ge­setzt wird, wenn es gebraucht wird, wenn Räu­me genutzt wer­den und nicht genug Son­nen­licht zur Ver­fü­gung steht, wie es den Bio­rhyth­mus des Men­schen unter­stützt, Arbeit, Schlaf und Hei­lung von Krank­hei­ten för­dert und beim Flie­gen den Jet­lag mini­miert. „In drei Jah­ren von heu­te an wol­len wir bei Tri­lux nur noch intel­li­gen­tes Licht ver­kau­fen,” sag­te er, und füg­te an, dass es Spaß mache, sich auf einem rie­si­gen welt­wei­ten Markt zu bewe­gen, auf dem auch ein klei­ner Mit­tel­ständ­ler aus dem Sauer­land gro­ße Chan­cen habe. Er zeig­te das Bild mit Sili­con Sauer­land statt Sili­con Val­ley als Orts­schild. Die Tri­lux-Aka­de­mie zur Qua­li­fi­zie­rung der eige­nen Mit­ar­bei­ter, das Tech­no­lo­gie­zen­trum mit 46 Inge­nieu­ren als neue Schmie­de, das Licht­fo­rum NRW und vor allem die Fähig­keit, Lösun­gen zu fin­den, die der Kun­de will, und die eige­nen Mit­ar­bei­ter für die­se Auf­ga­be zu begeis­tern, das alles, so Micha­el Huber, sei­en bes­te Vor­aus­set­zun­gen für ein Sili­con Sauer­land des neu­en Lichts.

 

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