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Digi­ta­les Muse­um Weding­hau­sen soll schla­fen­den Rie­sen wecken

Wer­ben um Unter­stüt­zung für die Fort­set­zung der Aus­gra­bun­gen und ein Digi­ta­les Muse­um Weding­hau­sen: von links Kir­chen­vor­stand Chris­toph Reg­niet, Hel­mut Schul­te von der Volks­bank, Gra­bungs­lei­ter Wolf­ram Ess­ling-Wint­zer, Denk­mal­pfle­ge­rin Bet­ti­na Hei­ne-Hipp­ler und Propst Huber­tus Bött­cher. (Foto: oe)

Arns­berg. Die Props­tei-Kir­chen­ge­mein­de und die Denk­mal­pfle­ge des Land­schafts­ver­bands West­fa­len-Lip­pe wen­den sich an die Arns­ber­ger Bevöl­ke­rung und bit­ten um Unter­stüt­zung bei ihrem Vor­ha­ben, aus den spek­ta­ku­lä­ren Aus­gra­bungs­fun­den im mit­tel­al­ter­li­chen Klos­ter Weding­hau­sen eine Tou­ris­ten­at­trak­ti­on zu machen. „Wenn wir das schaf­fen, brau­chen wir kei­ne Leder­ne Brü­cke. dann kom­men die Tou­ris­ten und auch die Fuß­gän­ger­zo­ne pro­fi­tiert”, ist Propst Huber­tus Bött­cher über­zeugt und lädt die Arns­ber­ger am Mitt­woch, 16. Mai um 18 Uhr in die Propstei­kir­che ein. Neben Vor­trä­gen und Bau­stel­len­füh­run­gen wird dann auch das von der Volks­bank unter­stütz­te Pro­jekt Schwarm­fi­nan­zie­rung gestar­tet.

„In der Cham­pi­ons League der Klös­ter”

Der frei­ge­leg­te Ein­gang zur Stein­kam­mer-Warm­luft­hei­zung. (Foto: oe)

Seit drei Jah­ren baut die Prop­stei­ge­mein­de und aus der Bau­stel­le ist längst auch eine Aus­gra­bungs­stät­te unter dem Kapi­tel­saal, dem Kreuz­gang und der vor­ge­la­ger­ten Ter­ras­se gewor­den. Im Boden sind dabei eine mit­tel­al­ter­li­che Warm­luft-Stein­kam­mer-Hei­zung und das Grab des Klos­ter­grün­ders Hein­rich I. mit Rank­ma­le­rei­en zum Vor­schein gekom­men. „Für Mit­tel­eu­ro­pa ein­zig­ar­ti­ge Fun­de, ver­gleich­bar nur mit Welt­erbe­stät­ten wie Lübeck, Ant­wer­pen oder Brüg­ge”, meint Dr. Ing. Bet­ti­na Hei­ne-Hipp­ler, die zustän­di­ge Denk­mal­pfle­ge­rin des LWL. Bött­cher zitiert ger­ne den obers­ten West­fä­li­schen Denk­mal­pfle­ger: „Weding­hau­sen ist jetzt nicht mehr ein Klos­ter von vie­len, son­dern in die Cham­pi­ons League auf­ge­rückt.”

Digi­ta­les Muse­um

„Wir sehen hier Din­ge, die vie­le Jahr­hun­der­te kein mensch­li­ches Auge mehr gese­hen hat. Jetzt ste­hen wir vor der Ent­schei­dung, ob wir den Deckel drauf machen und alles wie­der für hun­der­te von Jah­ren ver­schwin­det oder ob wir den Din­gen auf den Grund gehen und die Fun­de anschlie­ßend so prä­sen­tie­ren, dass sie für die Nach­welt erleb­bar blei­ben”, sagt Bött­cher. Arns­berg sei ein schla­fen­der Rie­se und jetzt gebe es die Chan­ce, ihn zu wecken. Dafür sei kein ein neu­es her­kömm­li­ches Muse­um geplant, son­dern ein Digi­ta­les Muse­um, das ers­te für ein Bau­denk­mal deutsch­land­weit. Das Gebäu­de sol­le wie geplant künf­tig von der Kir­chen­ge­mein­de und der Sha­lom-Gemein­de genutzt wer­den, aber auch für Besu­cher zugäng­lich sein. Das Digi­ta­le Muse­um könn­te im Inter­net besucht wer­den oder vor Ort mit Smart­pho­ne oder Tablet über Nah­feld­kom­mu­ni­ka­ti­ons­punk­ten und eine App. Jeder Arns­ber­ger habe dann etwas, was er sei­nem Besuch stolz zei­gen kön­ne.

13 Wün­sche kos­ten rund 600.000 Euro

Kir­chen­ge­mein­de und LWL-Denk­mal­pfle­ge haben eine Wunsch­lis­te mit 13 Ide­en und Pro­jek­ten, die Unter­stüt­zung und Hil­fe suchen, auf­ge­stellt und in einer auf­wän­dig pro­du­zier­ten Bro­schü­re vor­ge­stellt. „Wir wür­den ger­ne alle Wün­sche umset­zen, doch das kos­tet rund 600.000 Euro”, sagt Chris­toph Reg­niet, Geschäfts­füh­rer der Kir­chen­ge­mein­de, und bit­tet um Ver­ständ­nis, dass Kir­chen­ge­mein­de und Bis­tum ange­sichts der inzwi­schen auf sechs Mil­lio­nen Euro gestie­ge­nen Sanie­rungs­kos­ten für Klos­ter­ge­bäu­de und Propstei­kir­che dies nicht auch noch tra­gen kön­nen. Neben Zuschüs­sen des Lan­des und der Deut­schen Stif­tung Denk­mal­schutz bemü­he man sich um Spen­den hei­mi­scher Fir­men und Auf­nah­me als Lea­der-Pro­jekt, sag­te Reg­niet. Die­ses Unter­fan­gen wer­de sicher leich­ter, wenn die Arns­ber­ger Bevöl­ke­rung auch finan­zi­ell ein Zei­chen set­zen wür­de, wie sehr ihr die­ses Pro­jekt am Her­zen liegt.

Schwarm­fi­nan­zie­rung und Peter­männ­chen

Das Peter­männ­chen (Foto: oe)

Schon mit fünf Euro Min­dest­spen­de dabei ist man bei der Schwarm­fi­nan­zie­rung, die am 16. Mai anläuft. Min­des­tens 22.000 Euro erhof­fen sich die Ver­ant­wort­li­chen hier. Wenn nach 90 Tagen genug Spen­den ein­ge­gan­gen sind, stockt die Volks­bank den Betrag um fünf Euro pro Spen­der auf. Natür­lich darf hier auch mehr als der Min­dest­be­trag gespen­det wer­den. Das gilt auch für die zwei­te Akti­on, den Ver­kauf der Peter­männ­chen. Das Peter­männ­chen ist eine hoch­wer­ti­ge Replik einer 1672 in Trier gepräg­ten Mün­ze, die im Janu­ar 2018 im ehe­ma­li­gen Klos­ter­gar­ten von Weding­hau­sen gefun­den wur­de. Die Mün­ze wird in limi­tier­ter Auf­la­ge von 500 Stück in einer hoch­wer­ti­gen Klapp­kar­te ver­kauft. Der Min­dest­spen­den­be­trag liegt bei 100 Euro. „Ein tol­les Geburts­tags­ge­schenk!”, fin­det Chris­toph Reg­niet.

Wunsch­lis­te

Auf der Wunsch­lis­te ste­hen die restau­ra­to­ri­sche Unter­su­chung, Siche­rung und Doku­men­ta­ti­on der Grab­kam­mer Hein­richs I. inklu­si­ve einer neu­en Grab­plat­te, die über dem Grab in den neu­en Fuß­bo­den des Kapi­tel­saals ein­ge­las­sen wird. Auch die Tum­ba in der Kir­che und die Grä­ber im Kreuz­gang könn­ten geöff­net und unter­sucht wer­den. Die gemau­er­ten Schäch­te, die im Boden gefun­den wur­den und noch Rät­sel auf­ge­ben, könn­ten wei­ter aus­ge­gra­ben und unter­sucht wer­den. Eine Neu­ver­gla­sung des Kreuz­gangs, ein neu­er Fuß­bo­den für den Kreuz­gang sowie eine Restau­rie­rung und Ver­gla­sung der Nischen zum Kapi­tel­saal ste­hen eben­falls auf der Wunsch­lis­te. Die Stein­kam­mer-Warm­luft-Hei­zung soll visua­li­siert und im Modell nach­ge­bil­det wer­den. Und eine bau­ge­schicht­lich ein­zig­ar­ti­ge Mau­er­lat­te soll mit­tels Glas­ab­de­ckung sicht­bar erhal­ten blei­ben. Zu guter letzt sind neben der Ein­rich­tung des  Digi­ta­len Muse­ums auch noch die behin­der­ten­ge­rech­te Erschlie­ßung durch eine Auto­ma­tik­tür und neue Bestuh­lung und Medi­en­tech­nik für den Kapi­tel­saal gewünscht.

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