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Dra­ma­ti­scher Anstieg bei Asyl­be­wer­bern zwingt zum Han­deln

2013-11-22-Asylbewerber-

(Foto: S. Hof­schla­e­ger / pixelio.de)

Arns­berg. Der Zustrom von Asyl­be­wer­bern ist auch in Arns­berg stark ange­stie­gen. „Eine Ent­wick­lung, die nicht nur uns völ­lig über­rascht hat, die uns Sor­gen macht und die uns zum Han­deln zwingt,” so Peter Josek, Leit­der des Fach­diens­tes Inte­gra­ti­on und Zuwan­de­rung bei sei­nem Bericht im Sozi­al­aus­schuss des Rats. Die Bele­gung des Über­gangs­wohn­heims auf der Ham­mer­wei­de sei in den letz­ten Mona­ten von 40 auf 93 Per­so­nen gestie­gen und die Kapa­zi­täts­gren­ze sei erreicht. „Spät­s­tens im Janu­ar kön­nen wir die Leu­te, die uns aus Schöp­pin­gen zuge­wie­sen wer­den, nicht mehr unter­brin­gen,” so Josek. Eine Arbeits­grup­pe suche bereits nach Lösun­gen, mög­li­cher­wei­se auch durch Reak­ti­vie­rung ehe­ma­li­ger Unter­künf­te.

Bis zu vier Per­so­nen in einem Raum

Durch die Ein­füh­rung der Visa­frei­heit für Bür­ger aus Ser­bi­en und Maze­do­ni­en 2010 und Bos­ni­en-Her­ze­go­wi­na sowie Alba­ni­en 2011 habe man in die­sen Jah­ren schon mit einem Anstieg der Asyl­be­wer­ber gerech­net, so Josek, aber für 2013 sei ein wei­te­rer und so dra­ma­ti­scher Anstieg nicht erwar­tet wor­den. So ver­zeich­net die Arns­ber­ger Sta­tis­tik für 2011 nur 48 Antrag­stel­ler, für 2012 schon 106 und in die­sem Jahr sind bis Stich­tag 15. Novem­ber bereits 124 Men­schen ange­kom­men. Auch die Zahl sei schon über­holt, die nächs­ten sechs sei­en bereits für kom­men­den Diens­tag ange­mel­det und bis Jah­res­en­de dürf­ten es, weil Arns­berg sei­ne Quo­te erfül­len müs­se, wohl über 140 sein, berich­te­te Josek. Des­halb müs­se auf der Ham­mer­wei­de „jeder Qua­drat­me­ter genutzt” wer­den. In der Ver­gan­gen­heit habe die Stadt das Wohn­heim im Sin­ne des sozia­len Frie­dens bewusst groß­zü­gig belegt, Rück­sicht auf Fami­li­en und Reli­gio­nen genom­men, doch jetzt müss­ten Fami­li­en zusam­men­rü­cken, wür­den mit bis zu vier Per­so­nen in nur einem Raum unter­ge­bracht.

Man­gel an pas­sen­dem Wohn­raum

Inzwi­schen wen­det die Stadt Arn­berg auch das „Lever­ku­se­ner Modell” an. „Alle, die nur den Hauch der Chan­ce haben, im Land zu blei­ben, las­sen wir aus­zie­hen,” sagt Josek, beklagt aber zugleich, dass „die Woh­nun­gen, die wir benö­ti­gen, im Markt nicht vor­han­den” sind. In der Stadt gebe es jede Men­ge Wohn­raum für 6,50 Euro pro Qua­drat­me­ter, aber kaum für 4,20 Euro und bei Ein-Per­so­nen-Woh­nun­gen wer­de es ganz, ganz eng. Syrer zum Bei­spiel wür­de man sofort in einer Woh­nung unter­zu­brin­gen ver­su­chen, weil die der­zeit sicher nicht zurück­ge­schickt wer­den. Doch Antrag­stel­ler aus den klas­si­schen Kri­sen­län­dern sei­en momen­tan nicht das Pro­blem, so Josek. Aus Syri­en sei 2013 gera­de mal ein Asyl­be­wer­ber gekom­men, aus Afgha­ni­stan, Iran und Irak null.

Pro­ble­me mit Tsche­tsche­nen

Das stärks­te Kon­tin­gent der Bewer­ber stel­len seit drei Jah­ren die Ser­ben. „Und die wis­sen alle, dass sie nicht hier blei­ben wer­den,” so Josek. Sie kom­men aber immer noch in Bus­la­dun­gen, obwohl die frü­her gezahl­ten Rück­kehr­prä­mi­en gestri­chen wur­den und die Abwick­lung der Ver­fah­ren auf sechs Wochen beschleu­nigt wur­de. Erst­mals seit Jah­ren gibt es in Arns­berg auch wie­der 19 Asyl­an­trag­stel­ler aus der Rus­si­schen Föde­ra­ti­on. Es sind Tsche­tsche­nen, die, so Josek, an der wach­sen­den Zahl von Gewalt­vor­komm­nis­sen und Poli­zei­ein­sät­zen auf der Ham­mer­wei­de betei­ligt sei­en, was sei­ne Mit­ar­bei­ter auch durch ver­stärk­te Prä­senz nicht immer ver­hin­dern könn­ten. Das Pro­blem lie­ge an der beson­de­ren Kul­tur der Tsche­tsche­nen, dass ein Streit unter Män­nern immer so aus­ge­tra­gen wer­de, dass es einen ein­deu­ti­gen Sie­ger und Ver­lie­rer gebe.

Zwei Mil­lio­nen Euro im Haus­halt

Bis Janu­ar wer­de, so Josek, eine Lösung für die Unter­brin­gungs­fra­ge auf dem Tisch lie­gen. Die wer­de dem Käm­me­rer aber nicht gefal­len, weil sie Geld kos­te. Ohne­hin sind Unter­brin­gung und Unter­halt für die Asyl­be­wer­ber eine teu­re Sache für die Stadt. Die gezahl­ten Zuschüs­se lie­gen der­zeit bei rund einer Vier­tel­mil­li­on Euro im Jahr, wäh­rend die tat­säch­li­chen Aus­ga­ben, so Josek, „ein Viel­fa­ches betra­gen”. Für das kom­men­de Jahr hat Rai­ner Schä­fer­hoff von der Käm­me­rei vor­sichts­hal­ber schon eine Auf­sto­ckung der Mit­tel auf 2 Mio. Euro im Haus­halts­ent­wurf ein­ge­plant. Ob das reicht, ist unge­wiss. Mög­li­cher­wei­se muss der Käm­me­rer zunächst auch auf den im Sanie­rungs­plan ein­ge­plan­ten Ver­kaufs­er­lös für das auf­ge­ge­be­ne Wohn­heim am Nehei­mer Schleif­müh­len­weg ver­zich­ten. Dort hat die Stadt aber gera­de erst alle Wasch­be­cken und ande­re Innen­ein­rich­tung her­aus­ge­ris­sen, um das Gebäu­de bes­ser ver­mark­ten zu kön­nen. Eine Reak­ti­vie­rung ohne zusätz­li­che Inves­ti­tio­nen wäre also nicht mög­lich.

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