
Neheim. Eine übermalte Treppe am Neheimer Busbahnhof sorgt weit über Arnsberg hinaus für Diskussionen. Nach einem Video der Grünen-Politikerin Verena Verspohl eskalierte die Debatte in sozialen Netzwerken – bis hin zu Morddrohungen. Der Staatsschutz ermittelt.
Der Streit um die sogenannte Regenbogentreppe am Busbahnhof in Neheim hat nach der Berichterstattung mehrerer Medien bundesweit Aufmerksamkeit ausgelöst. Die Treppe war nach einem politischen Beschluss als Zeichen für Vielfalt in Regenbogenfarben gestaltet worden. In dieser Woche wurde sie erneut von Unbekannten teilweise in Schwarz-Rot-Gold übermalt.
Die Arnsberger Grünen-Politikerin Verena Verspohl reagierte darauf mit einem Video und bewertete das Übermalen als politisch motiviertes Signal gegen Vielfalt. In den sozialen Netzwerken folgte eine Welle an Reaktionen – von sachlicher Kritik bis zu teils aggressiven Kommentaren. Nach Angaben Verspohls gingen in diesem Zusammenhang auch Morddrohungen gegen sie ein.
Verspohl hat inzwischen Strafanzeige gestellt. Der Staatsschutz des Polizeipräsidiums Dortmund hat die Ermittlungen übernommen.
Debatte in den sozialen Netzwerken
In den Kommentarspalten wird längst nicht mehr nur über die Gestaltung der Treppe diskutiert, sondern über Identität und politische Lager. Viele Beiträge kritisieren die Regenbogengestaltung als „Symbolpolitik“ oder stellen Prioritäten und mögliche Kosten in den Mittelpunkt. Andere empören sich darüber, dass Schwarz-Rot-Gold im Zuge der Debatte als rechtsextrem konnotiert werde – teils als Reaktion auf Formulierungen, die sie als Pauschalvorwurf verstehen.
Auffällig ist, wie häufig die Diskussion vom Sachthema auf die Person kippt: Statt Argumenten dominieren Abwertungen und Zweifel an der Eignung der Politikerin, auch mit Blick auf ihre berufliche Rolle. Gegenstimmen reagieren wiederum mit pauschalen Zuschreibungen in Richtung „AfD“ oder „rechte Trolle“, was die Fronten weiter verhärtet. Zwar werden Morddrohungen in mehreren Kommentaren klar verurteilt, zugleich finden sich aber auch Relativierungen nach dem Muster, wer so auftrete, müsse „mit Gegenwind rechnen“. Insgesamt zeigt der Tonfall, wie schnell ein lokales Thema im Netz zur Projektionsfläche für einen kulturpolitischen Grundsatzstreit wird.






