
Sundern. Die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im Rat der Stadt Sundern übt deutliche Kritik am Verwaltungsentwurf zur geplanten Bürgerbefragung zum Thema Tempo 30. Zwar begrüßen die Grünen grundsätzlich die Einbindung der Bürgerinnen und Bürger, halten die vorgesehene Umfrage in ihrer jetzigen Form jedoch für ungeeignet, um tragfähige politische Entscheidungen vorzubereiten.
Verfrühter Zeitpunkt als zentrales Problem
„In dieser Form macht die Befragung politisch nicht schlauer – sie produziert absehbare Lagerbilder, aber keine Lösungen“, erklärt die Fraktion. Aus Sicht der Grünen spreche vor allem der Zeitpunkt gegen das Vorgehen der Verwaltung. Die Tempo-30-Regelungen seien erst seit kurzer Zeit in Kraft, ihre Auswirkungen auf Verkehrssicherheit, Lärmbelastung und Verkehrsfluss könnten daher noch nicht seriös bewertet werden.
Vorhersehbare Lager statt belastbarer Ergebnisse
Damit zusammenhängend halten die Grünen das Ergebnis der Befragung für vorhersehbar: Während Anwohnerinnen und Anwohner Tempo 30 eher befürworten dürften, sei mit Ablehnung von Pendlern und Teilen des Gewerbes zu rechnen. Eine solche Polarisierung liefere jedoch keine belastbare Entscheidungsgrundlage. Kritisch sehen die Grünen außerdem die Methodik der geplanten Befragung. Weder sei sichergestellt, dass Mehrfachteilnahmen ausgeschlossen werden, noch erfülle das Verfahren Kriterien der Repräsentativität.
Hinweise aus der Verkehrsforschung
Unterstützung sehen die Grünen in Einschätzungen aus der Verkehrsforschung. So habe der Verkehrsforscher Johannes Weyer von der Technische Universität Dortmund bei einer Veranstaltung des Westdeutscher Rundfunk im vergangenen November in Sundern darauf hingewiesen, dass Verkehrsregelungen Zeit benötigten, um ihre Wirkung zu entfalten und gesellschaftlich akzeptiert zu werden. Erst danach lasse sich seriös beurteilen, ob Ziele wie mehr Sicherheit oder weniger Lärm tatsächlich erreicht würden.
Forderung nach professioneller Bürgerbeteiligung
Besonders problematisch ist aus Sicht der Grünen, dass der Fragebogen nicht von professionellen Meinungsforschern entwickelt wurde. Dadurch entstehe der Eindruck von Bürgerbeteiligung, ohne dass am Ende verlässliche Handlungsempfehlungen möglich seien. Die bestehenden Tempo-30-Regelungen seien fachlich begründet eingeführt worden und sollten nicht durch kurzfristige Meinungsbilder infrage gestellt werden.
Die Grünen fordern daher, die Maßnahmen zunächst wirken zu lassen und anschließend – mit professioneller Begleitung – eine echte Bürgerbeteiligung zu starten, die politische Entscheidungen fundiert unterstützt.




2 Antworten
Man muss sich nicht einmal parteipolitisch in irgendeine Richtung verbunden fühlen oder über phänomenale Wahrsagerqualitäten verfügen, um diese Befragung – wie immer sie denn auch im Detail ausfallen wird – als wenig ergebnisoffen vorhersagen zu können. Denn was soll schon groß dabei herauskommen, wenn mehr als 90% (oder sind es 95% oder gar 98%) der Bevölkerung nicht in und an den Lärmschutzzonen wohnen und von T30 genervt sind?
Bürgerbefragungen sind kein Schönwetter Instrument für Minderheiten Interessen, sondern ein Stimmungsbild der gesamten Stadt. Wenn ein überwältigender Teil der Bevölkerung nicht in den Lärmschutz Bereichen lebt und Tempo 30 als Belastung empfindet, dann ist das kein methodischer Makel, sondern ein politisch relevanter Befund.