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Was­ser­kraft: Land will Akti­ons­plan „Top-10-plus“

Teilnehmer beim Arnsberger Energiedialog. Von links: Johannes Remmel (Minister für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes NRW), Michael Pendzich (Vorsitzender der Kommission Regionale Energieplanung des Regionalsrats Arnsberg), Prof. Dr. Andrè Niemann (Universität Duisburg/Essen), Beate Schmies (Leiterin WDR-Landesstudio Siegen), Regierungspräsident Dr. Gerd Bollermann, Klaus Brunsmeier (stellv. Bundesvorsitzender des BUND), Dr. Rainer Hagemeyer (Vorsitzender Landesfischereiverband Westfalen-Lippe) und Rainer Bosse (Vorstandsmitglied Interessensgemeinschaft Wassernutzung NRW) (Foto: Bezirksregierung)
Teil­neh­mer beim Arns­ber­ger Ener­gie­dia­log. Von links: Johan­nes Rem­mel (Minis­ter für Kli­ma­schutz, Umwelt, Land­wirt­schaft, Natur- und Ver­brau­cher­schutz des Lan­des NRW), Micha­el Pend­zich (Vor­sit­zen­der der Kom­mis­si­on Regio­na­le Ener­gie­pla­nung des Regio­nals­rats Arns­berg), Prof. Dr. Andrè Nie­mann (Uni­ver­si­tät Duisburg/Essen), Bea­te Schmies (Lei­te­rin WDR-Lan­des­stu­dio Sie­gen), Regie­rungs­prä­si­dent Dr. Gerd Bol­ler­mann, Klaus Bruns­mei­er (stellv. Bun­des­vor­sit­zen­der des BUND), Dr. Rai­ner Hage­mey­er (Vor­sit­zen­der Lan­des­fi­sche­rei­ver­band West­fa­len-Lip­pe) und Rai­ner Bos­se (Vor­stands­mit­glied Inter­es­sens­ge­mein­schaft Was­ser­nut­zung NRW) (Foto: Bezirks­re­gie­rung)

Arns­berg. Prof. Dr. André Nie­mann von der Uni­ver­si­tät Duisburg/Essen hat beim „11. Arns­ber­ger Ener­gie­dia­log“ die Stu­di­en­ergeb­nis­se zum tech­nisch-theo­re­ti­schen Rest­po­ten­zi­al der Was­ser­kraft im Regie­rungs­be­zirk Arns­berg vor­ge­stellt. NRW-Umwelt­mi­nis­ter Johan­nes Rem­mel und Regie­rungs­prä­si­dent Dr. Gerd Bol­ler­mann kün­dig­ten dort an, jetzt zunächst die „Top-10-Stand­or­te“ mit hohem Aus­bau- und wenig Kon­flikt­po­ten­zi­al iden­ti­fi­zie­ren zu las­sen.

 Wich­ti­ger Bau­stein der Ener­gie­wen­de „made in NRW“

Minis­ter Rem­mel sag­te: „Die Poten­zi­al­stu­die gibt gute Hin­wei­se zum Aus­bau der Was­ser­kraft im Regie­rungs­be­zirk Arns­berg und ist damit ein wich­ti­ger Pla­nungs­bau­stein für die Umset­zung der Ener­gie­wen­de ‚made in NRW‘. Sie soll in der Struk­tur auf ganz NRW über­tra­gen wer­den, inso­fern ist sie eine wich­ti­ge Grund­la­ge. Was­ser­kraft soll ent­spre­chend der Poten­zia­le ihre Leis­tun­gen im Erneu­er­ba­ren-Mix für NRW zusam­men mit den star­ken Poten­zia­len Wind und Son­ne erbrin­gen. Eine auf­bau­en­de Stu­die zur Ermitt­lung des lan­des­wei­ten Poten­zi­als in Sachen Was­ser­kraft wird nach ent­spre­chen­den Vor­läu­fern im Bereich Wind und Son­ne der­zeit erar­bei­tet und soll hel­fen, wei­te­re Poten­zia­le zu heben. Wir wol­len vor­han­de­ne Stand­or­te erhal­ten und sie ener­ge­tisch und öko­lo­gisch opti­mie­ren. Neue Was­ser­kraft­an­la­gen sol­len dort errich­tet wer­den, wo sie, mit den Zie­len der EU-Was­ser­rah­men­richt­li­nie ver­ein­bar sind. Wir haben uns außer­dem vor­ge­nom­men, die ent­spre­chen­den was­ser­wirt­schaft­li­chen Fra­ge­stel­lun­gen sys­te­ma­tisch abzu­ar­bei­ten.“

Kon­flikt­ar­me Stand­or­te schnell iden­ti­fi­zie­ren

Regie­rungs­prä­si­dent Dr. Bol­ler­mann: „Es ist nun an uns, schnell und effek­tiv zu han­deln. Da zu erwar­ten ist, dass sich die in der Stu­die genann­ten Poten­zia­le noch redu­zie­ren wer­den, soll­ten die weni­gen kon­flikt­ar­men Stand­or­te schnellst­mög­lich iden­ti­fi­ziert, gesi­chert und mög­lichst zeit­nah rea­li­siert wer­den. Zunächst geht es um den Akti­ons­plan Top-10-plus. In wei­te­ren Schrit­ten wol­len wir rund 140 von etwa 3500 bestehen­den Quer­bau­wer­ken einer nähe­ren Betrach­tung unter­zie­hen.“  Hier­zu bedür­fe es eines kon­struk­ti­ven Zusam­men­wir­kens aller Betei­lig­ten, einer inten­si­ven und kon­struk­ti­ven geneh­mi­gungs­recht­li­chen Bera­tung poten­zi­el­ler Was­ser­kraft­be­trei­ber durch die Behör­den, eines ver­bes­ser­ten För­der­re­gimes des Lan­des und ver­stärk­ter For­schungs­an­stren­gun­gen im Inter­es­se der Ver­ein­bar­keit von Was­ser­kraft und Was­ser­rah­men­richt­li­nie.  Bol­ler­mann und Rem­mel waren sich einig: „In einem ers­ten Schritt sol­len an zehn Top-Stand­or­ten zügig Inves­ti­ti­ons- und Geneh­mi­gungs­ent­schei­dun­gen vor­be­rei­tet und getrof­fen wer­den.“

Podi­ums­dis­kus­si­on mit 150 Gäs­ten

 Voll besetzter Sitzungssaal beim 11. Arnsberger Energiedialog. (Foto: Bezirksregierung)
Voll besetz­ter Sit­zungs­saal beim 11. Arns­ber­ger Ener­gie­dia­log. (Foto: Bezirks­re­gie­rung)

In einer Podi­ums­dis­kus­si­on vor rund 150 Gäs­ten bezo­gen zudem „Mit­gast­ge­ber“ Micha­el Pend­zich (als Vor­sit­zen­der der Kom­mis­si­on Regio­na­le Ener­gie­pla­nung des Regio­nal­ra­tes Arns­berg) sowie Klaus Bruns­mei­er (stell­ver­tre­ten­der Bun­des­vor­sit­zen­der des Bun­des für Umwelt und Natur­schutz Deutsch­land), Rai­ner Bos­se (Vor­stands­mit­glied der Inter­es­sen­ge­mein­schaft Was­ser­nut­zung NRW) und Dr. Rai­ner Hage­mey­er (Vor­sit­zen­der des Lan­des­fi­sche­rei­ver­ban­des West­fa­len-Lip­pe) Stel­lung. Es mode­rier­te Bea­te Schmies, Lei­te­rin des WDR-Lan­des­stu­di­os Sie­gen.  Micha­el Pend­zich hat­te bereits in der Begrü­ßung betont, dass rund 60 Pro­zent der Was­ser­kraft in NRW im Regie­rungs­be­zirk Arns­berg erzeugt wer­den. Inso­fern sei der Regie­rungs­be­zirk dies­be­züg­lich „ein Schwer­ge­wicht“. Der wei­te­re Aus­bau der Was­ser­kraft sei nun­mehr „eine Fra­ge des poli­ti­schen Wil­lens und der gesell­schaft­li­chen Akzep­tanz“.

Stei­ge­rung um 30 Pro­zent theo­re­tisch mög­lich

Mit Ver­öf­fent­li­chung der Nie­mann-Stu­die voll­zieht sich die Dis­kus­si­on über die Was­ser­kraft­po­ten­zia­le und etwai­ge Ziel­kon­flik­te im Kon­text der euro­päi­schen Was­ser­rah­men­richt­li­nie jetzt auf Basis kon­kre­ter Zah­len und Fak­ten. Und das sind die wich­tigs­ten Ergeb­nis­se der Poten­zi­al­stu­die:

  • Die der­zei­ti­ge Was­ser­kraft­er­zeu­gung im Regie­rungs­be­zirk Arns­berg lie­ge bei rund 313 Giga­watt­stun­den (GWh). Aktu­ell sei­en 102 Mega­watt (MW) Leis­tung an 213 Stand­or­ten instal­liert.
  • Rund 3.500 bestehen­de Quer­bau­wer­ke sei­en in der Unter­su­chung bewer­tet und kate­go­ri­siert wor­den. Das tech­nisch-theo­re­ti­sche Gesamt­po­ten­zi­al (d.h. die vor­han­de­nen Was­ser­kraft­an­la­gen plus Repowe­ring plus tech­nisch-theo­re­ti­sches Zubau­po­ten­zi­al) betra­ge ins­ge­samt 133 MW Leis­tung. Gegen­über der vor­han­de­nen Leis­tung sei somit ein Plus von 31 MW tech­nisch-theo­re­tisch mög­lich (30 Pro­zent). Die bis­her 313 GWh Jah­res­ar­beit könn­ten theo­re­tisch auf 426 GWh Jah­res­ar­beit erhöht wer­den (plus 36 Pro­zent) – an rund 2.355 Stand­or­ten. Der­zeit sei­en von dem tech­nisch-theo­re­ti­schen Poten­zi­al der Jah­res­ar­beit 73 Pro­zent erschlos­sen.
  • In der Stu­die wird davon aus­ge­gan­gen, dass von dem ermit­tel­ten tech­nisch-theo­re­ti­schen Zubau­po­ten­zi­al von 31 MW etwa die Hälf­te auch tat­säch­lich umsetz­bar sei (rund 15 MW). Dif­fe­ren­ziert wird dies hier in rund 8 MW Stei­ge­rungs­po­ten­zi­al bei den vor­han­de­nen Was­ser­kraft­an­la­gen (Repowe­ring) und 7 MW Zubau­po­ten­zi­al an Stand­or­ten mit vor­han­de­nen Quer­bau­wer­ken.

Prof. Dr. Nie­mann wie­der­hol­te beim „Arns­ber­ger Ener­gie­dia­log“ sei­ne bereits in der Stu­die for­mu­lier­te Emp­feh­lung, an zunächst 30 bis 50 Stand­or­ten im Regie­rungs­be­zirk Arns­berg die Mög­lich­kei­ten zum gewäs­ser­ver­träg­li­chen Aus­bau der Was­ser­kraft­er­zeu­gung zu kon­kre­ti­sie­ren – und dar­über hin­aus die Optio­nen aus einem stär­ker ener­gie­ori­en­tier­ten Tal­sper­ren­be­trieb zu ermit­teln.

Fun­dier­ter stand­ort­be­zo­ge­ner Ansatz durch neue Stu­die

Rück­blick: Bereits 2011 war eine Mach­bar­keits­stu­die von Siemens/Eutech zu den Poten­zia­len aller erneu­er­ba­ren Ener¬gie¬träger im Regie­rungs­be­zirk Arns­berg ver­öf­fent­licht wor­den. Sie hat­te in einer ers­ten Abschät¬zung auf­ge­zeigt, dass die Poten­zia­le der Was­ser­kraft noch nicht aus­ge­schöpft sind. Das Ziel der neu­en, jetzt vor­lie­gen­den „Nie­mann-Stu­die“ war des­halb, einen fun­dier­ten stand­ort­be­zo­ge­nen Ansatz für die Erschlie­ßung der Poten­zia­le der Was­ser­kraft im Regie­rungs­be­zirk zu erlan­gen.
2012 hat­te die Bezirks­re­gie­rung Arns­berg – in Abstim­mung mit dem Umwelt­mi­nis­te­ri­um NRW und Ver­tre­tern des Regio­nal­rats – den Auf­trag an Prof. Dr. Nie­mann von der Uni­ver­si­tät Duis­burg-Essen ver­ge­ben. Die Poten­zi­al­stu­die wur­de dann in Koope­ra­ti­on mit Inge­nieur­bü­ros erstellt – beglei­tet von einem fach­li­chen Arbeits­kreis, an dem neben dem Umwelt­mi­nis­te­ri­um auch Inter­es­sens­grup­pen betei­ligt waren (u.a. Was­ser­kraft­be­trei­ber sowie Ver­tre­ter aus Fische¬¬rei und Natur­schutz).
 
 

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