Wagner im Kino und junge Künstler im Rathaus

Das Plakat des Kunstsommers 2014 mit dem Motto "betörend".
Das Pla­kat des Kunst­som­mers 2014 mit dem Mot­to „betö­rend“.

Arns­berg. „Betö­rend“ will er sein, der 18. Arns­ber­ger Kunst­som­mer. Ein Mot­to mit vie­len, durch­aus auch ambi­va­len­ten Bedeu­tun­gen. Und ein Mot­to, das auch ein­ge­löst sein will, wie Kul­tur­bü­ro-Chef Peter Klei­ne jetzt im Kul­tur­aus­schuss beton­te. Die Poli­ti­ker konn­te er mit sei­ner Vor­schau offen­sicht­lich „betö­ren“, zumin­dest,  wenn man von der Bedeu­tung „fas­zi­nie­ren“ ausgeht.

Aktionsgruppe junger Künstler will Altes Rathaus besetzen

Der Kunst­som­mer hat zumin­dest zwei Kon­stan­ten. Zum einen, dass er immer an zehn Tagen zum Ende der Som­mer­fe­ri­en statt­fin­det, so auch in die­sem Jahr vom 8. bis 17. August, zum ande­ren, dass immer wie­der neue Part­ner dabei sind und von außen neue Ideen ein­brin­gen. Einer der neu­en Part­ner ist das Arns­ber­ger Resi­denz-Kino. Des­sen Chef Hubert Nieuw­dorp hat­te die Idee zu „Bay­reuth in Arns­berg“. Er wird wäh­rend des Kunst­som­mers im gro­ßen Saal sei­nes Kinos eine Tann­häu­ser-Auf­füh­rung vom Wag­ner-Hügel in Bay­reuth live über­tra­gen. „Eine char­man­te Idee“, so die neue Kul­tur­bü­ro-Mit­ar­bei­te­rin Kirs­ten Min­kel, hat­te auch eine Akti­ons­grup­pe jun­ger Künst­ler aus der Stadt, die ihre Kunst aus­ge­rech­net im Alten Rat­haus prä­sen­tie­ren will. Von Mode über bil­den­de Kunst bis zu Lesun­gen rei­chen die Plä­ne der Grup­pe, die aller­dings noch mit dem Brand­schutz abge­stimmt wer­den müs­sen. Neu­er Koope­ra­ti­ons­part­ner des Kunst­som­mers ist auch der Wild­wald Voß­win­kel, mit dem zusam­men der Kunst­som­mer den bekann­ten Natur­fo­to­gra­fen Karl-Heinz Volk­mar prä­sen­tiert. Work­shop­teil­neh­mer müs­sen aller­dings früh auf­ste­hen, denn die Jagd mit der Kame­ra beginnt schon gegen 4 Uhr morgens.

Außergewöhnliche Bilder und zwei Tanztheater-Projekte

Außer­ge­wöhn­li­che Foto­gra­fien wer­den wie­der im Klos­ter Weding­hau­sen aus­ge­stellt. Es gibt gla­mou­rö­se Bil­der der im KZ ermor­de­ten jüdi­schen Foto­gra­fin Elsa Neu­län­der aus dem Ber­lin der 1920-er Jah­re sowie sar­kas­ti­sche Fotos ihres Schü­lers Hel­mut Neu­städ­ter, der sich spä­ter Hel­mut New­ton nann­te, aus den 1960-er Jah­ren. neben­an im Klos­ter­hof wird es auch wie­der beweg­te Bil­der geben, wel­che Fil­me gezeigt wer­den, ist aller­dings noch offen.Neu sind auch zwei Mit­mach-Tanz­pro­jek­te, eins mit dem vom Tea­tron Thea­ter bekann­ten Manu­el Quero, eins mit der Jeder­mann-Regis­seu­rin Anke Lux. „Eine schö­ne Band­brei­te und kei­ne Kon­kur­renz zur Arbeit der Tanz­stu­di­os, eher Tanz­thea­ter,“ so Klei­ne. Ein High­light ver­spricht auch der Work­shop Trick­film mit der US-Pro­fes­so­rin Cathy Joritz zu wer­den, wo die Teil­neh­mer in vier Grup­pen einen Film mit sche­ren­schnitt­ar­ti­gen Scha­blo­nen schaf­fen werden.

Chorprojekt mit afrikanischen Rhythmen

Das „betö­rend“ auch „des Ver­stan­des berau­bend“ bedeu­ten kann, ver­deut­lich­te Peter Klei­ne in sei­ner Prä­sen­ta­ti­on mit einem Foto des Reichs­par­tei­tags aus dem Jahr 1934. Wie die­ser nega­ti­ve Aspekt the­ma­ti­siert wird steht noch nicht fest. Ein Scratch­or­ches­ter und eine neue Quer­flö­te-Dozen­tin sol­len fri­schen Wind ins Musik­pro­gramm brin­gen. Dazu gibt es mit der Evan­ge­li­schen Aka­de­mie als Part­ner ein inter­na­tio­na­les Chor­pro­jekt „Kame­run-Tan­sa­nia-Deutsch­land“ mit 50 Teil­neh­mern aus allen drei Län­dern und viel afri­ka­ni­schem Rhythmus.

Ein „Teppich für Arnsberg“ als Mitmach-Projekt

„Ich lache über nichts mehr, Sachen, die lan­ge tot waren, sind wie­der da, und ich glau­be, dies Open-Air Akti­on wird ziem­li­chen Spaß machen,“ sag­te Peter Klei­ne zum Mit­mach-Fil­zen und lud auch die Poli­ti­ker ein, mit­zu­ma­chen, wenn die Teil­neh­mer einen mög­lichst gro­ßen und bun­ten „Tep­pich für Arns­berg“ erschaf­fen. Die Bild­hau­er-Work­shops wer­den auf Wunsch der Teil­neh­mer von der Wie­se an der Fest­hal­le in den Muse­ums­hof umzie­hen und damit näher am Gesche­hen sein. In die Pro­me­na­de kommt dafür das Kul­tur­ruck­sack-Camp, ein Zelt­la­ger mit Jugend­li­chen aus Arns­berg und Mesche­de, die dort ver­schie­de­ne eige­ne Work­shops, aber auch eine Chill-Wie­se haben wer­den. Ein Gas­tro­no­mie­pro­jekt ist geplant, aber noch nicht ganz in tro­cke­nen Tüchern. Das Fes­ti­val-Wochen­en­de zum Start, die Pro­me­na­den­mi­schung am Mitt­woch und das Musik­fest mit Sere­na­de zum Abschluss gehö­ren wie­der zum Pro­gramm und am Sonn­tag, 17. August gibt es auch wie­der den Arns­ber­ger Holz­markt, der im Vor­jahr eine erstaun­lich gelun­ge­ne Pre­mie­re fei­ern konnte.
„Viel­falt, Offen­heit, Qua­li­tät“, so fass­te Peter Klei­ne den Anspruch des Kunst­som­mers zusam­men. Und er ist selbst gespannt, ob der betö­ren­de 18. Kunst­som­mer die­sen Anspruch erfül­len kann.

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