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Wagenfeld und Kahle sollen von Straßenschildern verschwinden

2013-11-27-Arnsberg-Wagenfeld
Die 1941 so benann­te Karl-Wagen­feld-Stra­ße in Hüs­ten soll künf­tig den Namen des Nazi-Geg­ners Dr. Rudolf Gunst tra­gen. (Foto: oe)

Arns­berg. Der Rat wird defi­ni­tiv in sei­ner Sit­zung am 11. Dezem­ber über die Umbe­nen­nung von zwei Stra­ßen beschlie­ßen, deren Namens­ge­ber Per­so­nen waren, „deren Ehrung auf­grund ihrer Tätig­keit im Natio­nal­so­zia­lis­mus der Wer­te­ord­nung des demo­kra­ti­schen frei­heit­li­chen Ver­fas­sungs­staa­tes entgegenläuft“.

Bür­ger­meis­ter Hans-Josef Vogel hat jetzt eine Beschluss­vor­la­ge vor­ge­legt, die vier Punk­te umfasst:

  1. Der Rat begrüßt die Dis­kus­si­on um die Stra­ßen­um­be­nen­nun­gen als wich­ti­gen Impuls für die Aus­ein­an­der­set­zung mit der Ver­gan­gen­heit um der Zukunft willen.
  2. Der Rat zieht wegen der beson­de­ren Bedeu­tung die grund­sätz­li­che Ent­schei­dung des Sach­ver­halts an sich und beschließt, die „Karl-Wagen­feld-Stra­ße“ und den „Maria-Kah­le-Weg“  umzubenennen.
  3. Der Rat schlägt den Bezirks­aus­schüs­sen vor, die Stra­ßen  „Dr.-Rudolf-Gunst-Straße“ (statt „Karl-Wagen­feld-Stra­ße“) und „Wer­ner-Grü­ne­wald-Weg“ (statt „Maria-Kah­le-Weg“) zu benennen.
  4. Der Rat regt grund­sätz­lich an, zukünf­tig die Benen­nung von Stra­ßen, Wegen und Plät­zen  nicht nur an den Moti­ven „Ehrung/Gedenken“, son­dern auch an neu­en Moti­ven wie dem des „Respekts“ aus­zu­rich­ten – wie „ Respekt vor Men­schen aus ande­ren Kul­tu­ren“ oder „Respekt vor dem, was ein Mensch für die Gemein­schaft leis­tet bzw. geleis­tet hat“.

Noch kein abschließendes Urteil über Georg Nellius

Karl Wagen­feld (1869–1939) und Maria Kah­le (1891–1975) gehö­ren, so die Vor­la­ge, zu den Män­nern und Frau­en, die nach neue­ren Erkennt­nis­sen eine beson­de­re inhalt­li­che Nähe zum Natio­nal­so­zia­lis­mus auf­wei­sen. Nach ihnen wur­den  1941 die „ Karl-Wagen­feld-Stra­ße“ in Hüs­ten und 1975 der  „Maria-Kah­le-Weg“ in Herdrin­gen benannt. Schwie­ri­ger sei die Nähe von Georg Nel­li­us zum Natio­nal­so­zia­lis­mus zu beur­tei­len, so der Bür­ger­meis­ter. Zwar sei­en die Tex­te ein­deu­tig, zu denen er Kom­po­si­tio­nen bei­gesteu­ert hat. „Aber die Moti­ve für das Mit­ma­chen müs­sen nach den Ent­na­zi­fi­zie­rungs­un­ter­la­gen neu betrach­tet wer­den, von denen wir erst am 25. Novem­ber 2013 Kennt­nis erhal­ten haben. Hier bedarf es der wei­te­ren For­schung und Auf­klä­rung, um ein abschlie­ßen­des Urteil fäl­len zu kön­nen. Des­halb schla­gen wir zum jet­zi­gen Zeit­punkt kei­ne Umbe­nen­nung der Georg-Nel­li­us-Stra­ße vor.“

Dr. Rudolf Gunst war 1927 bis 1933 Amtsbürgermeister von Hüsten.
Dr. Rudolf Gunst war 1927 bis 1933 Amts­bür­ger­meis­ter von Hüsten.

Ehrung für in Auschwitz ermordeten Hüstener Schüler

Als neue Namens­ge­ber für die bei­den Stra­ßen schlägt der Bür­ger­meis­ter Dr. Rudolf Gunst (1883–1963), einen von den Nazis ver­folg­ten Amt­mann bzw. Amts­bür­ger­meis­ter des Amtes Hüs­ten, sowie Wer­ner Grü­ne­wald (1931–1943), den letz­ten jüdi­schen Schü­ler der Ruhr­schu­le, der in Ausch­witz ermor­det wur­de, vor. Hin­sicht­lich der Ehrung von Dr. Rudolf Gunst wer­de, so Vogel, ein Vor­schlag der Rats­frak­ti­on Bünd­nis 90/Die Grü­nen auge­grif­fen, den er „inhalt­lich voll unter­stüt­ze“. Mit Wer­ner Grü­ne­wald wür­de erst­mals ein Kind aus Hüs­ten geehrt. Über das kur­ze Leben des jüdi­schen Schü­lers, der von der Ruhr­schu­le ver­drängt und 1943 ermor­det wur­de, sei im Jahr 2001 von Schü­le­rin­nen und Schü­lern der Ruhr­schu­le mit ihrem Schul­lei­ter Rei­ner Ahl­born eine beein­dru­cken­de Doku­men­ta­ti­on erar­bei­tet worden.

„Immaterieller Gewinn“ für 158 Anlieger

Der Bür­ger­meis­ter sieht auch, „dass die Umbe­nen­nung einer Stra­ße Unbill mit sich brin­gen kann, dass Auf­wand ent­steht und dass die­ser Auf­wand ärger­lich sein kann. Denn die 158 Anwoh­ner der genann­ten Stra­ßen haben sich den Stra­ßen­na­men nicht aus­ge­sucht.“ Auf der ande­ren Sei­te ste­he aber auch  der imma­te­ri­el­le Gewinn, in einer Stra­ße zu woh­nen, deren Namens­ge­ber auch die Ehre ver­die­ne. Er betont, dass Stadt und Kreis grund­sätz­lich kei­ne Gebüh­ren für die Aktua­li­sie­rung des Per­so­nal­aus­wei­ses oder des Kraft­fahr­zeug­scheins bzw. ‑briefs erhe­ben wer­den. Zudem wür­den von städ­ti­scher Sei­te nach­richt­lich wich­ti­ge exter­ne Insti­tu­tio­nen über die Umbe­nen­nung infor­miert. Hier­zu gehö­ren ins­be­son­de­re die Tele­kom, Post, RWE, Finanz­amt Arns­berg, Hoch­sauer­land­kreis (Katas­ter­amt, Kreis­po­li­zei­be­hör­de, Rettungsleitstelle).

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