Obwohl der augenblickliche Zustand der Bahnstrecke als nicht optimal anzusehen sei, so Michael Hergarten vom Zweckverband Ruhr-Lippe, bezeichnete er eine Reaktivierung der Röhrtalbahn als volkswirtschaftlich sinnvoll. Unter Annahme verschiedener Varianten hätten die Analysten, trotz der im Raum stehenden 13 Mio. Euro Reaktivierungskosten, einen positiven Nutzen-Kosten-Faktor errechnet. Diese Summe müsse aufgebracht werden, um Gleise, Haltestationen und Bahnübergänge auf einen Mindeststandard zu bringen. Diese Kosten würden im Falle der Reaktivierung nahezu komplett vom Land NRW übernommen. Moderne, geräuscharme und umweltfreundliche Triebwagen mit 120 Sitzplätzen, so Michael Hergarten, würden auf der Röhrtalbahn zum Einsatz kommen. Damit würde eine zusätzliche Lärmbelästigung für Anwohner an der Trasse äußerst minimiert.
Kurze Fahrzeiten, kurze Schrankenschließungen
Aus der Versammlung heraus wurde darauf hingewiesen, dass das zusätzliche Angebot durch die Bahn nur positive Einflüsse auf die Entwicklung im Röhrtal habe. So werde es durch moderne Züge möglich, inklusive Haltezeiten, in 20 bis 25 Minuten ohne Stau von Sundern nach Neheim zu kommen. Dort seien dann schnelle Anschlüsse an das Netz der DB möglich. Die an den stark befahrenden Straßen liegenden beschrankten Bahnübergängen würden, so Michael Hergarten, durch optimal eingestellte Einschaltkontakte so gestaltet, dass nur eine Schließung der Schranke für etwa 35 bis 55 Sekunden erforderlich sei.
Positives Signal von der IHK
Thomas Frye, Mitglied im Verkehrsausschuss der IHK, bezeichnete die Finanzmittel, die zur Reaktivierung der Bahnstrecke eingesetzt werden müssen, als gut angelegten Mittel zur Daseinsvorsorge im Röhrtal und im Sauerland. Die Anbindung der Röhrtalbahn an das Netz der DB mache die Schienenverbindung auch besonders für Berufspendler attraktiv.
HSK-SPD für Reaktivierung
Einig waren sich die Podiumsteilnehmer darüber, dass neben der Reaktivierung der Bahn die verschiedensten Bereiche des ÖPNV verbessert werden müssen. So könnte nach Ansicht von Peter Newiger, Kreistagsmitglied, am Bahnhof Sundern ein Taktknoten für den innerstädtischen Busverkehr aus den südlich und südöstlich gelegenen Ortsteilen, wie Endorf, Stockum, Hellefeld, entstehen. Damit könnte, so Newiger, eine optimale Kombination von Bahn und Bus in Sundern geschaffen werden. Die Kreistagsfraktion der SPD, so Fraktionsvorsitzender Reinhard Brüggemann, werde sich weiter eindeutig für die Streckenreaktivierung einsetzen.
MdB Wiese: „Lohnt sich und rechnet sich“
Dirk Wiese, MdB, berichtete über die parteiübergreifende Zusammenarbeit und Unterstützung, die es bei der Wiederinbetriebnahme der Bahnstrecke Brilon – Brilon Wald gegeben hat. Er bezeichnete die angestrebte Reaktivierung der Röhrtalbahn als Gewinn für den Wirtschaftsstandort Sundern. Die Reaktivierung, so Dirk Wiese, lohne sich, rechne sich und stärke die Wirtschaft im Röhrtal und im Sauerland.
Auch Radwege gefordert
Kritisch wurde aus der Versammlung angemerkt, dass für eine Verbesserung der Mobilität in Sundern und im gesamten Röhrtal, neben der Wiederinbetriebnahme der Bahn, auch der Ausbau des Radwegenetzes stärker in den Blick genommen und schneller umgesetzt werden müsste.
Klar wurde, dass nach einer Wiederinbetriebnahme der Bahn für den Personenverkehr auch die Möglichkeit des Güterverkehrs auf der Schiene möglich bleibe. Begegnungsverkehr, sowohl für den Personen- als auch für den Güterverkehr, wären an den verschiedensten Stellen der Strecke möglich.
Die angeregte und sachliche Diskussion zeige, so die Organisatoren der AG 60plus und der Juso-AG, dass das Thema „Mobilität“ einen herausragenden Stellenwert habe.
