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Umwelt­mi­nis­ter ord­net Rück­bau der Alt-Depo­nie Lat­ten­berg an

Herbstlicher Blick über die Wildshausener Ruhraue auf den wolkenverhangenen Lattenberg mit dem Deponiestandort. (Foto: oe)
Herbst­li­cher Blick über die Wild­s­hau­se­ner Ruhraue auf den wol­ken­ver­han­ge­nen Lat­ten­berg mit dem Depo­nie­stand­ort. (Foto: oe)

Oeventrop/Wildshausen. Das NRW-Umwelt­mi­nis­te­ri­um hat nach inten­si­ver Bera­tung mit dem Hoch­sauer­land­kreis, der Bezirks­re­gie­rung Arns­berg und dem Lan­des­be­trieb Wald und Holz NRW den Rück­bau der Alt-Abla­ge­rung Lat­ten­berg in Arns­berg ange­ord­net und in die Wege gelei­tet. „Unter­su­chun­gen im Rah­men einer Mach­bar­keits­stu­die 2016 haben bestä­tigt, dass die Stand­si­cher­heit nicht mehr gewähr­leis­tet ist und es ein erheb­li­ches und nicht kal­ku­lier­ba­res Rest­ri­si­ko eines Abrut­schens gibt. Zum Schutz von Mensch und Umwelt haben wir ent­spre­chen­de Maß­nah­men ergrif­fen, die nun umge­setzt wer­den“, sag­te der Staats­se­kre­tär im Umwelt­mi­nis­te­ri­um, Peter Knitsch, auf einer Pres­se­kon­fe­renz in Arns­berg.

Früh­warn­sys­tem wird instal­liert

Die Leitungsebene des NRW-Umweltministeriums: von links: Parlamentarischer Staatssekretär Becker, Minister Remmel, Staatssekretär Knitsch. Foto: Florian Sander / MKULNV
Die Lei­tungs­ebe­ne des NRW-Umwelt­mi­nis­te­ri­ums: von links: Par­la­men­ta­ri­scher Staats­se­kre­tär Becker, Minis­ter Rem­mel, Staats­se­kre­tär Knitsch. Foto: Flo­ri­an San­der / MKULNV

Nach Bera­tun­gen mit den zustän­di­gen Behör­den wur­den neben dem Rück­bau wei­te­re Maß­nah­men zur Abwehr einer Gefahr für Mensch und Umwelt beschlos­sen. Hier­zu zählt zunächst die Ein­rich­tung eines Früh­warn­sys­tems, um bei einer Gefah­ren­la­ge kurz­fris­ti­ge Siche­rungs­maß­nah­men zum Schutz der Bevöl­ke­rung zu ergrei­fen. Zwar besteht nach Auf­fas­sung des Gut­ach­ters der­zeit auf­grund des Was­ser­stan­des in der Alt-Abla­ge­rung kei­ne aku­te Gefahr des Abrut­schens der so genann­ten „Alt-Depo­nie“. Der Stand­ort der Alt-Abla­ge­rung befin­det sich im Staats­wald­ge­biet des Lan­des. Ins­ge­samt lagern auf dem Gelän­de mehr als 200.000 Kubik­me­ter Abfäl­le.

Pro­duk­ti­ons­rück­stän­de der Zell­stoff AG

In den Jah­ren 1967 bis 1987 wur­den von der „West­fä­li­schen Zell­stoff AG“ Pro­duk­ti­ons­rück­stän­de aus der Her­stel­lung von Zell­stof­fen für die Papier­pro­duk­ti­on aus Buchen­holz am Lat­ten­berg gela­gert. Auf­grund der Zusam­men­set­zung der Abfäl­le und deren Kon­sis­tenz sowie des unver­dich­te­ten Ein­baus und der gege­be­nen Gelän­de­nei­gung kam es mehr­fach in den ver­gan­ge­nen Jahr­zehn­ten zu Rut­schun­gen der Abfall­mas­sen, die sich bis zur Ruhr aus­ge­wirkt haben. Das Gelän­de war über den gesam­ten Zeit­raum der Abla­ge­rung mit kei­ner­lei Basis­ab­dich­tung, unzu­rei­chen­der Sicker­was­ser­er­fas­sung oder sons­ti­ge dem Umwelt­schutz und der Stand­fes­tig­keit die­nen­den „Deponie“-Einrichtungen aus­ge­stat­tet. „Damit reiht sich die­se Abla­ge­rung lei­der in die Viel­zahl von Alt­ab­la­ge­run­gen aus der Zeit vor Inkraft­tre­ten des Abfall­be­sei­ti­gungs­ge­set­zes ein, die es in Nord­rhein-West­fa­len noch gibt“, kri­ti­sier­te Staats­se­kre­tär Knitsch.

Gro­ßer Scha­dens­fall 1988

Der lattenberg ist ein beliebtes Ausflugs- und Wandergebiet. (Foto: oe)
Der Lat­ten­berg ist ein belieb­tes Aus­flugs- und Wan­der­ge­biet. (Foto: oe)

Der größ­te Scha­dens­fall ereig­ne­te sich 1988, bei dem rund 25.000 Kubik­me­ter abrutsch­ten. Eine Belas­tung der Ruhr konn­te sei­ner­zeit noch ver­hin­dert wer­den. Nach die­sem Abrut­schen wur­den bereits wei­te­re Siche­rungs­maß­nah­men, wie die Errich­tung eines Fang­damms und eine regel­mä­ßi­ge Über­prü­fung der Stand­si­cher­heit umge­setzt. Bis­her hat­ten Gut­ach­ten stets erge­ben, dass die Stand­si­cher­heit gege­ben sei. Unter­su­chun­gen der Bezirks­re­gie­rung Arns­berg aus 2015 und des Lan­des­be­trie­bes Wald und Holz Nord­rhein-West­fa­len aus 2016 kamen hin­ge­gen zu dem Schluss, dass die Stand­ort­si­cher­heit nicht mehr gewähr­leis­tet ist. Im März waren die Wan­der­we­ge gesperrt wor­den. Das Umwelt­mi­nis­te­ri­um lei­te­te in Über­ein­stim­mung mit den betei­lig­ten Behör­den das Ver­fah­ren zum Rück­bau ein.

Meh­re­re Jah­re und zwei­stel­li­ger Mil­lio­nen­be­trag

Der Staats­se­kre­tär hat wei­te­re kon­kre­te maß­nah­men ange­kün­digt:

  • Rück­bau
    Der Rück­bau wird durch den Lan­des­be­trieb Wald und Holz Nord­rhein-West­fa­len als Eigen­tü­me­rin des Gelän­des in Auf­trag gege­ben. Der Rück­bau der Alt-Abla­ge­rung wird meh­re­re Jah­re dau­ern und die Kos­ten wer­den im zwei­stel­li­gen Mil­lio­nen­be­reich lie­gen. Die damals für die Errich­tung die­ser in jeder Hin­sicht tech­nisch unzu­läng­li­chen Lager­stät­te ver­ant­wort­li­chen Per­so­nen, Fir­men und Insti­tu­tio­nen sind nach der­zei­ti­gem Kennt­nis­stand nicht mehr haft­bar zu machen. Mög­li­che Regress­an­sprü­che wer­den aber unab­hän­gig davon noch ein­mal geprüft.
  • Betre­tungs­ver­bot
    Das Betre­tungs­ver­bot für das Are­al der Alt-Abla­ge­rung Lat­ten­berg wird aus­ge­wei­tet.
  • Früh­warn­sys­tem
    Schon in den letz­ten Jah­ren wur­den die Was­ser­stands­li­ni­en in regel­mä­ßi­gen Abstän­den unter­sucht. Die­se Prüf­fre­quenz wird nun noch ein­mal erhöht und dar­auf auf­bau­end ein Früh­warn­sys­tem instal­liert, um bei aku­ter Gefah­ren­la­ge die Bewoh­ne­rin­nen und Bewoh­ner der im Abfluss­be­reich lie­gen­den Bebau­ung infor­mie­ren zu kön­nen.
  • Abpum­pen
    Um die Was­ser­mas­sen in der Alt­ab­la­ge­rung zu redu­zie­ren wird geprüft, ob Anla­gen instal­liert wer­den sol­len, die das Abpum­pen ermög­li­chen, um das Errei­chen kri­ti­scher Was­ser­stän­de zu ver­mei­den.
  • Siche­rungs­maß­nah­men Dar­über hin­aus wer­den der­zeit wei­te­re Maß­nah­men geprüft, etwa der Schutz von Gebäu­den und Men­schen durch die Ein­rich­tung einer Prall­wand. Ein Gut­ach­ten zu mög­li­chen wei­te­ren Siche­rungs­maß­nah­men wird in den nächs­ten Wochen erwar­tet.

„Der Land­tag wur­de heu­te durch einen Bericht des Umwelt­mi­nis­te­ri­ums über die ein­ge­lei­te­ten Maß­nah­men infor­miert. Über den wei­te­ren Fort­gang wer­den die zustän­di­gen Behör­den die Öffent­lich­keit infor­mie­ren“, heißt es in einer Pres­se­mit­tei­lung des Umwelt­mi­nis­te­ri­ums.

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