„Den Vereinen und Schulen sind wir entgegengekommen, da bleibt nur eine kleine Einschränkung mit einem großen Spareffekt,“ sagte Levermann den Ratsmitgliedern. Den Spareffekt bezifferte er auf 30.000 Euro in diesem Jahr und 70.000 Euro in den folgenden Jahren, wenn der langjährige Badleiter des Strandbads in Pension geht und seine Stelle nicht wieder besetzt wird. Bei einer Schließung des Hallenbads während der Öffnungszeiten des Strandbads könnte das Personal des Hallenbads die Arbeit im Strandbad übernehmen. Andernfalls, so Levermann, würde nicht nur nicht eingespart, sondern er hätte das große Problem, Jahr für Jahr zwei qualifizierte Saison-Arbeitskräfte für jeweils fünf bis sechs Monate zu finden.
Einstimmiger Beschluss schon im November 2014
Bürgermeister Detlef Lins bestätigte den Ratsmitgliedern, dass eine Einsparung bei der Sorpesee GmbH direkt dem notleidenden Haushalt der Stadt zu gute komme, indem sie den Zuschuss der Stadt an die GmbH verringere. Lins erinnerte auch daran, dass der Beschluss, es so zu machen, bereits im November vorigen Jahres in der Gesellschafterversammlung gefallen sei. „Und zwar einstimmig und deshalb auch mit den Stimmen der SPD-Vertreter.“ Der stellv. Bürgermeister Jürgen ter Braak (SPD), wie Lins damals selbst dabei, sagte dagegen, er erinnere sich nur an einen Prüfauftrag, der beschlossen worden sei.
Stechele: „Es trifft wieder die Schwächsten“
Lins monierte auch die Formulierung des SPD-Antrags, in dem es heißt, der Bürgermeister möge den Sorpesee-Geschäftsführer anweisen, das Hallenbad maximal vier Wochen zu schließen. Ein solches Weisungsrecht habe er gar nicht, sagte Lins, und deshalb müsse er einen solchen Beschluss, wenn er denn zustande käme, beanstanden. „Wir stehen zu unserem Antrag,“ sagte SPD-Fraktionschef Michael Stechele, der deutlich machte, dass er nichts dagegen habe, wenn sich der Zuschuss der Stadt an die Sorpesee GmbH verringere. Doch da müsse ein Gesamtkonzept her. Es sei der völlig falsche Weg, sich einen einzelnen Punkt herauszupicken. „Vor allem, wenn mal wieder da gespart wird, wo es die Schwächsten trifft. Diese Hallenbadschließung ist sozial unverantwortlich!“, sagte Stechele. Und er begründete dies auch damit, dass das Strandbad und das Bad im Haus des Gastes gerade für Mütter mit kleinen Kindern keine Alternative seien. Ein Argument, das Dr. Sabine Riechert-Rother (FDP) nicht nachvollziehen konnte. Sie sei mit ihren Kindern schon häufig zum Schwimmen im Haus des Gastes gewesen und sehe da keine Probleme. Nur Andreas Bahde von der WISU leistete der SPD Schützenhilfe, bezeichnete die Schließung als „untragbar“, weil sie zu Abwanderung und dauerhaftem Schwund bei den Hallenbadbenutzern führen werde.
Tolle: „Wir müssen mit Personalabbau anfangen“
Noch nicht einmal Siegfried Huff von der Linken konnte die SPD mit ihrem Unsozial-Argument überzeugen. Der sagte deutlich, man dürfe nicht immer bei jedem Gejammere gleich die Bemühungen um eine Haushaltssanierung in Frage stellen. Klaus Tolle (fraktionslos) erinnerte an die noch nicht lange zurückliegenden Haushaltsberatungen, wo alle Ratsmitglieder gemeinsam zu der Kernaussage gekommen seien, dass sie Personal abbauen wollen. „Dann müssen wir auch damit anfangen und gewisse Einschnitte hinnehmen,“ sagte Tolle. Antonius Becker (Grüne) meinte, es sei gut nachverhandelt worden und acht bis neun statt zwölf Wochen Schließung für Vereine und Schulen sei ein tragbarer Kompromiss. Und die Neustrukturierung der städtischen Gesellschaften sei „ein Riesenfaß“, das man jetzt nicht mit dieser einen Entscheidung vermischen sollte. Auch Sabine Riechert-Rother fand die gefundene Lösung „für die Schulen verkraftbar und nach außen vertretbar“. Bürgermeister Lins richtete seine Worte nicht ohne Schärfe direkt an SPD-Fraktionschef Stechele, als dieser auf der Abstimmung über den SPD-Antrag bestand: „So werden Sie nie den Haushalt sanieren.“
