Steinbruch Habbel: Arnsberger Ja mit acht klaren Forderungen

Der Steinbruch Habbel in Müschede will in einer vierten Abbauphase für ca. 25 Jahre jährlich eine Million Tonnen Steine fördern. (Foto: oe)
Der Stein­bruch Hab­bel in Müsche­de will in einer vier­ten Abbau­pha­se für ca. 25 Jah­re jähr­lich eine Mil­li­on Ton­nen Stei­ne för­dern. (Foto: oe)

Müschede/Arnsberg. Nach einem wah­ren Sit­zungs­ma­ra­thon von vier Aus­schüs­sen an vier Aben­den hin­ter­ein­an­der hat die Stadt Arns­berg das gemeind­li­che Ein­ver­neh­men zur Erwei­te­rung des Müsche­der Stein­bruchs Hab­bel – der auf 25 Jah­re ange­leg­ten Abbau­pha­se IV – gege­ben. Der Haupt- und Finanz­aus­schuss beschloss aller­dings auch einen detail­lier­ten Acht-Punk­te-Kata­log, des­sen Über­prü­fung sei­tens des Krei­ses zu einer Geneh­mi­gungs­fä­hig­keit des Vor­ha­bens füh­ren müs­se. Denn die Ent­schei­dung über die Geneh­mi­gung liegt aus­schließ­lich in Mesche­de, und auch da nicht bei den Poli­ti­kern des Kreis­tags, son­dern bei der Kreisverwaltung.

Frin: Neue Situation nach vier öffentliche Sitzungen

Den­noch zeig­ten sich Bür­ger­meis­ter Vogel und die Poli­ti­ker im Haupt- und Finanz­aus­schuss zuver­sicht­lich, dass die Ein­wän­de aus Arns­berg in der Kreis­stadt nicht bei­sei­te gescho­ben wer­den. „Wenn in der Ver­gan­gen­heit Recht und Gesetz ein­ge­hal­ten wor­den wäre, gäbe es die Pro­ble­me nicht,“ sag­te Peter Blu­me (CDU). „Wir Arns­ber­ger Poli­ti­ker wer­den von der Öffent­lich­keit atta­ckiert, doch wir kön­nen nur Seman­tik betrei­ben, der HSK ent­schei­det.“ Wer­ner Frin (SPD), Vor­sit­zen­der des Pla­nungs­aus­schus­ses, sieht aller­dings jetzt eine ganz neue Qua­li­tät in der Ent­schei­dungs­fin­dung: „Hier ist in vier öffent­li­chen Sit­zun­gen aus­führ­lich über eine Ent­schei­dung dis­ku­tiert wor­den, die bis­her immer nur ein­sam an einem Schreib­tisch gefällt wor­den ist.“ In sei­nem Aus­schuss ist die von der Stadt for­mu­lier­te Stel­lung­nah­me auch inten­siv über­ar­bei­tet wor­den. Das trifft die inhalt­li­che Dif­fe­ren­zie­rung der For­de­run­gen eben­so wie die Spra­che. Statt „sol­len“ ste­hen jetzt Begrif­fe wie „müs­sen“ und „nicht dür­fen“ in der Stel­lung­nah­me, die sich mit Lärm­im­mis­sio­nen, Erschüt­te­run­gen, Stau­bim­mis­sio­nen, Arten­schutz, Nah­erho­lung, Rekul­ti­vie­rung, Kon­sul­ta­tio­nen zwi­schen Inter­es­sen­grup­pen und Stein­bruch­un­ter­neh­men sowie mit Kon­trol­len sei­tens der Behör­den befasst.

Beste verfügbare Technik gefordert

Blick auf den Steinbruch zwischen Müschede und Herdringen. (Foto: BI KOHAIV)
Blick auf den Stein­bruch zwi­schen Müsche­de und Herdrin­gen. (Foto: BI KOHAIV)

Zusätz­li­che neu­tra­le Gut­ach­ter­aus­sa­gen wer­den ins­be­son­de­re zu Lärmspit­zen und zum Abbau auf den obers­ten Soh­len am Röhr­hang gefor­dert. Gut­ach­ter­li­che Emp­feh­lun­gen zur Mini­mie­rung von Lärm­im­mis­sio­nen, ins­be­son­de­re der nächt­li­chen Geräusch­spit­zen, sind nach Auf­fas­sung der Stadt Arns­berg umzu­set­zen, wobei die bes­ten jeweils ver­füg­ba­ren Tech­ni­ken Ver­wen­dung fin­den müss­ten. Gefor­dert wer­den auch eine Ankün­di­gung von Spren­gun­gen im Vor­feld, belast­ba­re Staub­mes­sun­gen, eine aktua­li­sier­te Arten­schutz­prü­fung für Brut­vö­gel, eine Sper­rung von Wan­der­we­gen bei Spren­gun­gen, ein beginn der Rekul­ti­vie­rung der bis­he­ri­gen Abbau­pha­sen und regel­mä­ßi­ge Kon­sul­ta­tio­nen zwi­schen Unter­neh­men und Anwohnern.

Politiker wollen unangemeldete Kontrollen

Punkt 8 der For­de­run­gen – „Die Ein­hal­tung der in einer Geneh­mi­gung ent­hal­te­nen Auf­la­gen und Neben­be­stim­mun­gen ist durch Kon­trol­len dau­er­haft sicher­zu­stel­len“ – ist auf Vor­schlag von Horst Kloppsteck (FDP) noch durch das Wort „unan­ge­mel­de­te“ ergänzt wor­den. „Jetzt kann sich der Kreis nicht mehr drü­cken,“ mein­te CDU-Frak­ti­ons­chef Klaus Kai­ser. Bür­ger­meis­ter Vogel hob vor allem die Bedeu­tung der Best-Prac­ti­ce-Klau­sel her­vor, die die jeweils bes­te ver­füg­ba­re Tech­nik for­de­re. Er sag­te aber auch, die For­de­run­gen der Stadt Arns­berg sei­en letzt­lich auch im Inter­es­se des Unter­neh­mens, weil das dann selbst auch wis­se, was in sei­nem Betrieb wirk­lich pas­sie­re. Die Ent­schei­dung im Haupt- und Finanz­aus­schuss fiel mit einer Gegen­stim­me. Gerd Stütt­gen (SPD) erklär­te, dass er als Müsche­der wegen der Belas­tung der Müsche­der bei einem Nein zum Gemeind­li­chen Ein­ver­neh­men blei­be, wie es der Bezirks­aus­schuss mit gro­ßer Mehr­heit eben­falls emp­foh­len hatte.

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