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Nel­li­us: Schü­ler bit­ten um Stim­men für Umbe­nen­nung

(Foto. S. Hofschlaeger / pixelio.de)
(Foto. S. Hof­schla­e­ger / pixelio.de)

Sundern/Hachen. Zum The­ma Umbe­nen­nung der Nel­li­us­stra­ße in Hach­en erreich­te uns ein Leser­brief des Katho­li­schen Reli­gi­ons­kur­ses der Klas­se  Klas­se 9b der Real­schu­le Sun­dern.
Hier zunächst die Anmer­kun­gen der Reli­gi­ons­leh­re­rin Gabrie­le Wahle:
„Zum Reli­gi­ons­un­ter­richt gehört neben der För­de­rung der Sach- und Metho­den­kom­pe­tenz auch die Urteils­kom­pe­tenz der Schü­le­rin­nen und Schü­ler zu för­dern. Ein The­ma der Klas­sen­stu­fe 9 ist des­halb das The­ma: Leben mit einer unheil­vol­len Ver­gan­gen­heit – Natio­nal­so­zia­lis­mus und Kir­che. Die Schü­ler sol­len an einem geschicht­li­chen Bei­spiel beur­tei­len, inwie­weit die Kir­che ihrem Auf­trag gerecht wur­de. Da für die Schü­ler das The­ma NS-Zeit nicht zu ihrem Erfah­rungs­ho­ri­zont gehört, muss immer wie­der ver­sucht wer­den, aktu­el­le oder hei­mat­kund­li­che Bezü­ge her­zu­stel­len.
Nellius-Straße in Hachen: Nellius’ Vertonungen von „Volk und Führer“-Liedern seien aus unrühmlicher, kritikloser Begeisterung entstanden. (Foto: Blickpunkt Arnsberg-Sundern)
Nel­li­us-Stra­ße in Hach­en. (Foto: Blick­punkt

So mach­ten wir uns zu Beginn des The­mas auf die Spu­ren der Fami­lie Klein aus Sun­dern, bevor wir uns mit dem eigent­li­chen The­ma beschäf­tig­ten. Als dann die Dis­kus­si­on um die Nel­li­us­stra­ße immer lau­ter wur­de, war das dann ein guter aktu­el­ler Bezug hier aus der Gegend. In einer Ver­tre­tungs­stun­de griff Frau Teb­be-Lem­mer das The­ma in der 9b auf. Sie führ­te zunächst eine Abstim­mung in der Klas­se ohne Hin­ter­grund­wis­sen über Herrn Nel­li­us durch. Die meis­ten waren gegen eine Umbe­nen­nung. Dann recher­chier­ten die Schü­ler mit Hil­fe von Zei­tungs­be­rich­ten und der Doku­men­ta­ti­on von Peter Bür­ger und Wer­ner Neu­haus über Herrn Nel­li­us und stell­ten ihre Ergeb­nis­se vor. Bei einer erneu­ten Abstim­mung am Ende die­ser Dop­pel­stun­de stand für alle Schü­ler (eine Ent­hal­tung) fest, dass der Name geän­dert wer­den muss.
Als ich davon erfuhr, habe ich sofort für mich beschlos­sen, die Schü­ler zum The­ma einen Leser­brief ver­fas­sen zu las­sen, in dem auch deut­lich wer­den soll­te, was sie im Reli­gi­ons­un­ter­richt über die NS-Zeit gelernt haben. Ich war wirk­lich erstaunt, wie betrof­fen die Schü­ler waren. Nach­dem alle ihre Brie­fe vor­ge­le­sen hat­ten, ent­stand bei den Schü­lern die Idee, doch einen gemein­sa­men Brief zu ent­wi­ckeln und die­sen dann auch zu ver­öf­fent­li­chen. Gesagt, getan – hier nun das Ergeb­nis:“
 

Leser­brief zur Umbe­nen­nung der Nel­li­us­stra­ße in Hach­en

 

Lie­be Lese­rin­nen und Leser!
Wir beschäf­ti­gen uns im Reli­gi­ons­un­ter­richt seit län­ge­rer Zeit mit dem The­ma ‚Natio­nal­so­zia­lis­mus‘ und haben des­halb auch die Dis­kus­si­on um die Umbe­nen­nung der Nel­li­us­stra­ße im Unter­richt the­ma­ti­siert.
Wir sind der Mei­nung, dass die Stra­ße umbe­nannt wer­den muss, da die Ehrung einer Per­son durch einen Stra­ßen­na­men immer den gesam­ten Men­schen ein­schließt. Nel­li­us war wäh­rend der NS-Zeit ein eif­ri­ger Anhän­ger von Hit­ler, der rund 6 Mil­lio­nen Juden nur wegen ihrer Reli­gi­ons­zu­ge­hö­rig­keit umbrin­gen ließ, außer­dem rund 100.000 Behin­der­te, 130.000 poli­tisch- oder reli­gi­ös Anders­den­ken­de usw. Er schrieb bzw. ver­ton­te Lie­der, die ein Lob auf Hit­ler waren und sei­ne Taten ver­herr­lich­ten, wie z.B. ‚Volk und Füh­rer‘ oder ‚Heil dem 3. Reich‘. Außer­dem hat­te er gro­ßen Anteil dar­an, dass in unse­rer Gegend alles Jüdi­sche aus der Musik und alle jüdi­schen Kom­po­nis­ten ent­fernt wur­den, d. h. jüdi­sche Lie­der durf­ten nicht mehr gesun­gen oder im Radio abge­spielt wer­den. Also stand er hin­ter Hit­ler und somit hat er es nicht ver­dient, dass eine Stra­ße nach ihm benannt wird.
Wir sind der Mei­nung, dass Stra­ßen nach Men­schen benannt wer­den soll­ten, die sich für die Opfer ein­ge­setzt haben oder die wäh­rend die­ser Zeit hier aus der Gegend zu Opfern wur­den wie z. B. Fami­lie Sal­ly Grün­berg aus Hach­en oder Fami­lie Levi Klein in Sun­dern. Wir wis­sen, dass mit der Umbe­nen­nung ein gro­ßer Auf­wand ver­bun­den ist, aber mei­nen, dass es uns das wert sein muss.
Da wir aus Alters­grün­den noch nicht abstim­men dür­fen, möch­ten wir Sie bit­ten, sich an der Abstim­mung zu betei­li­gen und für eine Umbe­nen­nung zu stim­men, weil wir den­ken, dass wir dies den vie­len grund­los Getö­te­ten schul­dig sind und dies auch im Sin­ne der heu­te noch leben­den Opfer wäre.

 

Katho­li­scher Reli­gi­ons­kurs Klas­se 9b der Real­schu­le Sun­dern

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