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Leser­brief: „Die Röhr­tal­bahn ist mög­lich und nicht uto­pisch!”

Sun­dern. Zum The­ma Röhr­tal­bahn und Röhr­tal­rad­weg erreich­te uns fol­gen­de Stel­lung­nah­me, mit der Gerd Blo­me vom Ver­kehrs-Club Deutsch­land (VCD) „Miss­ver­ständ­nis­se in der aktu­el­len Dis­kus­si­on Röhr­tal­bahn-Rad­weg ? aus­zu­räu­men” will:

 

Leserbriefe müssen nicht der Meinung der Redaktion entsprechen, die sich das Recht auf Kürzung vorbehält. (Foto. S. Hofschlaeger  / pixelio.de)

Leser­brie­fe müs­sen nicht der Mei­nung der Redak­ti­on ent­spre­chen, die sich das Recht auf Kür­zung vor­be­hält. (Foto. S. Hof­schla­e­ger / pixelio.de)

Die Wie­der­auf­nah­me des Per­so­nen­ver­kehrs auf der Röhr­tal­bahn ist nach Ansicht des CDU-Stadt­ver­ban­des Sun­dern  „uto­pisch“, und das aus­ge­rech­net jetzt, wo die Reak­ti­vie­rung des Per­so­nen­ver­kehrs der Bahn im Röhr­tal näher­rückt. Wie nötig die Bahn als Ent­las­tung des dich­ten Stra­ßen­ver­kehrs ist, kann jeder werk­tags sehen. Im All­tag wird die Bahn Ent­las­tun­gen  für die Stra­ße  leis­ten, und zwar zu jeder Jah­res­zeit, bei jedem Wet­ter.

Güter­ver­kehr nicht ver­ges­sen

Nicht zu ver­ges­sen ist außer­dem die Mög­lich­keit für den kom­bi­nier­ten Güter­ver­kehr Bahn-Lkw, der u.a.  von der Bun­des­re­gie­rung geför­dert wird, denn es sol­len und müs­sen mehr Güter per Schie­ne gefah­ren wer­den. Sonst kommt der tota­le Ver­kehrs­kol­laps. Die Bahn­in­fra­struk­tur im Röhr­tal  zu ver­nich­ten und dar­auf einen Rad­weg zu bau­en, ist  absurd.  Da gibt es ande­re Mög­lich­kei­ten. Und:  Sun­dern ist ein Mit­tel­zen­trum und Wirt­schafts­stand­ort  mit noch  ca. 30.000 Ein­woh­nern, und ist nur über eine ein­zi­ge Haupt­stra­ße im Röhr­tal  an das Ver­kehrs­netz ange­bun­den. Nur auf die­se Stra­ße zu set­zen, das ist zu wenig für ein Mit­tel­zen­trum.

„Uto­pie“  wird falsch gedeu­tet

„Uto­pisch“  soll hier  bei der CDU wohl für unmög­lich ste­hen, aller­dings wird das Wort „Uto­pie“ hier falsch gebraucht. Denn : In so man­chen  Uto­pi­en wur­den  für die Men­schen wich­ti­ge Zukunfts­li­ni­en vor­weg gedacht und beschrie­ben, die spä­ter zumin­dest teil­wei­se Wirk­lich­keit  wur­den. 1989 fiel end­lich  die Ber­li­ner Mau­er, zuvor hiel­ten das die meis­ten Leu­te für uto­pisch.

Aus­führ­li­che Gut­ach­ten  bestä­ti­gen die Reak­ti­vie­rung

Die Röhr­tal­bahn ist kei­ne fer­ne Uto­pie, sie ist nun mög­lich. Im Nah­ver­kehrs­plan NRW des Ver­kehrs­ver­bun­des NWL-ZRL wird die Röhr­tal­bahn als „wei­te­rer Bedarf ab 2015“ ein­ge­stuft, denn die­se Bahn­li­nie hat genau unter­such­te und ein­deu­tig posi­ti­ve Daten, die eine Reak­ti­vie­rung ermög­li­chen. Wer zukunfts­fä­hig und als Kom­mu­ne attrak­tiv sein will, muss beson­ders  für Ver­kehrs­in­ves­ti­tio­nen sor­gen. Die Daten in den aus­führ­li­chen Röhr­tal­bahn-Gut­ach­ten sind außer­dem sehr vor­sich­tig ange­setzt, in der Rea­li­tät wer­den wahr­schein­lich weit mehr Fahr­gäs­te  die Bahn nut­zen. Das zei­gen ande­re Bahn­pro­jek­te deut­lich. So wird der Nut­zen­fak­tor  noch wei­ter stei­gen.

Auf der 114 jahre alten Strecke der Röhrtalbahn - hier der Haltepunkt Stemel - gibt es Personenverkehr seit vielen Jahren nur noch bei gelegentlichen Sonderfahrten. (Foto: Lokale Agenda)

Auf der 114 Jah­re alten Stre­cke der Röhr­tal­bahn – hier der Hal­te­punkt Ste­mel – gibt es Per­so­nen­ver­kehr nur noch bei gele­gent­li­chen Son­der­fahr­ten. (Foto: Loka­le Agen­da)

Dazu müs­sen übri­gens die Stadt Sun­dern oder der HSK kei­nen finan­zi­el­len Bei­trag leis­ten, auch  der Bahn­be­trieb im Nah­ver­kehr wird aus dem Ver­kehr­stopf des Lan­des gezahlt. Für Bahn­li­ni­en, die vor der Röhr­tal­bahn im Nah­ver­kehrs­plan ste­hen, die also  frü­her gut­ach­ter­lich genau unter­sucht wur­den, z.B. die Stre­cke Sendenhorst—Münster, hat der NWL inzwi­schen die ers­te Stu­fe für die Reak­ti­vie­rung im Per­so­nen­ver­kehr ein­ge­lei­tet, und zwar genau nach Zeit­pla­nung. Des­we­gen hat die Röhr­tal­bahn nun gute Chan­cen, bereits im nächs­ten Jahr in die wei­te­re  und enge­re Ver­kehrs­pla­nung ein­be­zo­gen zu wer­den. 2018 könn­ten dann die Züge im Röhr­tal nach Plan fah­ren und Sun­dern im Sauer­land ist dann wie­der euro­pa­weit ein Ziel-Bahn­hof in allen Ver­kehrs­kurs­bü­chern.

Das muss aber poli­tisch in der Ver­bands­ver­samm­lung des ZRL beschlos­sen wer­den, wo die CDU die Mehr­heit hat und es muss vor Ort – in Sun­dern –  gewollt wer­den. Dazu muss ein Ruck durch Sun­dern gehen. Dann wird eine „Uto­pie“ für Sun­dern Rea­li­tät, näm­lich mehr Mobi­li­täts­mög­lich­kei­ten mit Stra­ße und Schie­ne im Röhr­tal,  mit Bahn-Anbin­dun­gen ins Ruhr­ge­biet, z.B. bis Dort­mund Hbf. Die­se Anbin­dun­gen über die Schie­ne in die Bal­lungs­räu­me sind heu­te sehr wich­tig, um länd­li­che Regio­nen zu sta­bi­li­sie­ren. Dann blei­ben mehr Men­schen hier, weil sie ja die Bahn zur Fahrt in die Groß­stadt nut­zen kön­nen. Das Auto kann das nicht allein leis­ten.

Bahn­hof und Innen­stadt in Sun­dern

Der Bahn­an­schluss in Sun­dern wird  z.B. für die Innen­stadt­ent­wick­lung Sun­derns sehr nütz­lich sein. Denn angeb­lich „ist jeder Euro wich­tig, der in der Innen­stadt aus­ge­ge­ben wird“, las man zur Pla­nung der Innen­stadt mit Ein­kaufs­zen­trum usw. Sehr vor­sich­tig geschätzt, wer­den bei Betrieb der Röhr­tal­bahn werk­tags 100 Leu­te vom Bahn­hof in die nahe Innen­stadt gehen und wenn die dort nur je 10 Euro aus­ge­ben, fließt so beträcht­li­che Kauf­kraft in die Innen­stadt. Das  ist  wich­tig für die Innen­stadt und wird Inves­ti­tio­nen aus­lö­sen.

2019 neue Tou­ris­mus­po­ten­zia­le für den HSK und Sun­dern

Im Rhein­land und Ruhr­ge­biet wird eine wei­te­re Uto­pie ab etwa 2019 Rea­li­tät. Die  ganz neue Schnell­zug­ver­bin­dung  mit z.T. neu­en Tras­sen, der „Rhein-Ruhr-Express“ (RRX),  fährt dann alle 15 bis 30 Minu­ten von Köln durchs Ruhr­ge­biet bis Dort­mund Hbf, sogar  mit Anbin­dung in die Nie­der­lan­de(!). Mit einer Bahn­an­bin­dung kön­nen dann also weit mehr Wan­der­tou­ris­ten ins Sauer­land rei­sen als bis­her, und zu allen Jah­res­zei­ten. Beson­ders die Wan­der­pa­ra­die­se um Sun­dern mit dem Sor­pe­see wären mit der Röhr­tal­bahn schnell und bequem erreich­bar. Das wür­de enor­me Kauf­kraft in die Regi­on brin­gen.

Die­se Bahn­an­bin­dun­gen sind nicht zuletzt sehr wich­tig für neue Ein­woh­ner, z.B. für Fach­kräf­te von außer­halb. Mit der Bahn­an­bin­dung im Röhr­tal ist Sun­dern attrak­tiv für neue Häus­le­bau­er, ohne die Röhr­tal­bahn ist die­se Stadt abge­hängt  und nicht mehr wett­be­werbs­fä­hig mit ande­ren Regio­nen, die attrak­ti­ven und preis­wer­ten ÖPNV mit der Bahn als Rück­grat bie­ten und so z. B. beim Kli­ma­schutz gut auf­ge­stellt sind.

Kei­ne neu­en Straßen—Röhrtalbahn ist die ein­zi­ge Chan­ce

Schließ­lich muss abschlie­ßend auch gesagt sein, dass eine Uto­pie in Sun­dern wohl  nicht rea­li­siert wer­den wird. Über 40 Jah­re wur­de stän­dig von den „Umgehungsstraßen“im Röhr­tal, beson­ders von der CDU, gespro­chen. Die Stra­ßen  wird es wegen der sehr schwie­ri­gen Ver­kehrs­geo­gra­phie im engen Röhr­tal  nicht geben. Sun­dern hat aber zum Glück die Röhr­tal­bahn als ver­blie­be­ne ein­zi­ge Chan­ce, um neue Mobi­li­täts­an­ge­bo­te zu ent­wi­ckeln. Aus zahl­rei­chen Gesprä­chen weiß ich, dass dar­auf beson­ders älte­re Mit­bür­ger und jun­ge Leu­te war­ten. In neue Züge kann man leicht und nied­rig ein­stei­gen, Fahr­rä­der, Rol­la­to­ren, Roll­stüh­le sind ein­fach  abzu­stel­len, die Zug­toi­let­ten sind behin­der­ten­ge­recht. Die Fahrt ist erheb­lich kür­zer, schnel­ler und beque­mer als im Bus. Also  soll­ten wir gemein­sam die Chan­ce ergrei­fen und die Röhr­tal­bahn wie­der  in Betrieb neh­men und dazu einen Rad­weg bau­en. Das gehört zusam­men, sie­he dazu das VCD-Kon­zept.

Es  ist Sun­derns  letz­te ech­te Mög­lich­keit, Wei­chen für die Zukunft zu stel­len.

Gerd Blo­me, Sun­dern, 2. Vor­sit­zen­der des VCD im HSK

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Ein Kommentar zu: Leser­brief: „Die Röhr­tal­bahn ist mög­lich und nicht uto­pisch!”

  • Rich­tig!
    Die Siche­rung eines bedarfs­ge­rech­ten ÖPNV hat Vor­tei­le für Ein­woh­ner und Tou­ris­ten. Das Vor­hal­ten eines attrak­ti­ven Rad­we­ge­net­zes eben­so. Die Erreich­bar­keit und eine aus­ge­klü­gel­te Rad­we­ge­kon­zep­ti­on bedin­gen ein­an­der, um eine Fokus­sie­rung der tou­ris­ti­schen Ange­bo­te, beson­ders für Tages- und Wochen­end­aus­flüg­ler aus den nahe­lie­gen­den Metro­po­len über­haupt opti­mal zu gestal­ten. Bei­des sind wich­ti­ge Bau­stei­ne, um vor­han­de­ne Tou­ris­mus­po­ten­tia­le als Chan­ce für eine nach­hal­ti­ge Gestal­tung syn­er­ge­tisch nut­zen zu kön­nen. Hier­mit kön­nen vor allem Rad-, Was­ser- und Wan­der­tou­ris­mus ver­knüpft und gestärkt wer­den. Das sind alles Akti­vi­tä­ten, die den Schwer­punk­ten der Stär­kung der Poten­tia­le der Regi­on, das Erle­ben der Natur­land­schaft ermög­li­chen und im Rah­men einer Qua­li­täts­of­fen­si­ve durch die Akti­vie­rung der Röhr­tal­bahn im Kon­zept ide­al ergänzt wer­den. Als bedeu­tens­tes Land­schafts­ele­ment ist das Gebiet des Sor­pe­sees eine beson­de­re Attrak­ti­on der Stadt Sun­dern. Es gilt die­se Qua­li­tät tou­ris­tisch zu nut­zen, die Erreich­bar­keit zu opti­mie­ren, dabei aber auch den Schutz des Gebiets nicht zu ver­nach­läs­si­gen. In die­sem Sin­ne ist die Poli­tik nach dem kon­trär zu einer tou­ris­ti­schen Qua­li­täts­of­fen­si­ve gesteu­er­ten Pro­jekts „Feri­en­haus­sied­lung der Hol­län­der in Ame­cke” gut bera­ten, sich jetzt mal an einer an der regio­na­len Wert­schöp­fungs­stei­ge­rung ori­en­tier­ten Ver­kehrs­kon­zep­ti­on des VCD her­an­zu­wa­gen und nun die Wei­chen mal rich­tig zu stel­len!

    Her­mann-J. Jür­gens­mei­er

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