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Landwirte beklagen massenhaft Hundekot in ihrem Viehfutter

Die Sunderner Landwirte Stefan Freiburg-Neuhaus, Bernd-Josef Schulte-Hobein und Hans-Wilhelm Stöckmann (von links) sorgen sich zunehmend um die Qualität des Viehfutters von ihren Weiden. (Foto: oe)
Die Sun­derner Land­wir­te Ste­fan Frei­burg-Neu­haus, Bernd-Josef Schul­te-Hob­ein und Hans-Wil­helm Stöck­mann (von links) sor­gen sich zuneh­mend um die Qua­li­tät des Vieh­fut­ters von ihren Wei­den. (Foto: oe)

Allen­dorf. Bernd-Josef Schul­te-Hob­ein ist Land­wirt in Allen­dorf und ein gedul­di­ger Mensch, der auch nichts gegen Hun­de hat. Doch jetzt platz­te ihm der Kra­gen, als er eine vier Hekt­ar gro­ße Flä­che, die er als Fut­ter­wie­se ange­pach­tet hat­te, in der App „Dogs best Pla­ces“ als deutsch­land­weit emp­foh­le­ne Hun­de­wie­se fand. Das fla­che Gelän­de an der Len­ne bei Plet­ten­berg sei ein Sah­ne­stück, auf dem er Heu und Sila­ge für sei­ne Pfer­de und Rin­der ern­ten wol­le. Doch sei­ne Ern­te sei so stark mit Hun­de­kot und Stö­cken in allen Dimen­sio­nen durch­setzt, dass er sie teil­wei­se bereits habe weg­schmei­ßen müs­sen. Zusam­men mit sei­nem Nach­barn Ste­fan Frei­burg-Neu­haus, dem Vor­sit­zen­den des Land­wirt­schaft­li­chen Orts­ver­bands Sun­dern, und des­sen Stell­ver­tre­ter Hans-Wil­helm Stöck­mann aus Sel­sche­de for­dert der Allen­dor­fer, dass Hun­de­be­sit­zer mit ihren Tie­ren auf den Wegen blei­ben. Denn Hun­de­kot im Tier­fut­ter sei nicht nur unhy­gie­nisch, son­dern mache die Tie­re auch krank, füh­re bei sei­nen Pfer­den schnell zu gefähr­li­chen Koliken.

Grünland dient der Fütterung des Rindviehs

Leni ist eine Steyrische Rauhhaarbracke und gehört dem Hegeringsvorsitzenden Andreas Kaiser. (Foto: oe)
Leni ist eine Stey­ri­sche Rau­hhaar­bra­cke und gehört dem Hege­rings­vor­sit­zen­den Andre­as Kai­ser. (Foto: oe)

Ein Pro­blem, dass weit ver­brei­tet ist. Sie habe stän­dig Land­wir­te aus dem Sauer­land, aus dem Sie­ger­land und beson­ders aus den Rand­zo­nen der Groß­städ­te am Tele­fon, die sich beschwer­ten über rück­sichts­lo­ses Frei­zeit­ver­hal­ten von Hun­de­be­sit­zern, sagt Bar­ba­ra Kru­se, Öffent­lich­keits­re­fe­ren­tin des West­fä­lisch-Lip­pi­schen Land­wirt­schafts­ver­bands für Süd­west­fa­len. „In den Wohn­ge­bie­ten wird inzwi­schen mit Erfolg dar­auf geach­tet, dass sich die Haus­tie­re nicht auf Bür­ger­stei­gen und in Vor­gär­ten erleich­tern. Des­halb wei­chen zuneh­mend Hun­de­be­sit­zer auf die Wei­den aus, ohne sich Gedan­ken dar­über zu machen, dass die­se Flä­chen die Hun­de­hau­fen auch nicht ver­kraf­ten.“ Schließ­lich die­ne das Grün­land im hei­mi­schen Raum der Füt­te­rung des Rind­viehs. Im Mai ste­he der ers­te Schnitt bevor, die wich­tigs­te Ern­te für Milch­vieh­be­trie­be. Neben dem Hun­de­kot droh­ten da auch mecha­ni­sche Pro­ble­me. Platt getre­te­nes Gras wer­de vom Mäh­werk nicht erfasst und bedeu­te Ver­lust. Und Äste vom Stöck­chen­wer­fen könn­ten die Klin­gen des Mäh­werks beschädigen.

Viele sehr, sehr schwarze Schafe

Appellieren an die Hundebesitzer: von links Hans-Wilhelm Stöckmann, Bernd-Josef Schulte-Hobein, Henrik Nolte, Andreas Kaiser, Christiane Breiter und Stefan Freiburg-Neuhaus. (Foto: oe)
Appel­lie­ren an die Hun­de­be­sit­zer: von links Hans-Wil­helm Stöck­mann, Bernd-Josef Schul­te-Hob­ein, Hen­rik Nol­te, Andre­as Kai­ser, Chris­tia­ne Brei­ter und Ste­fan Frei­burg-Neu­haus. (Foto: oe)

„Wir müs­sen die Leu­te auf­klä­ren und um Ver­ständ­nis wer­ben, wir müs­sen mit­ein­an­der arbei­ten“, geben sich Hans-Wil­helm Stöck­mann und Ste­fan Frei­burg-Neu­haus mode­rat, berich­ten aber sogleich von Hun­de­hal­tern, bei denen auch mehr­ma­li­ge Anspra­che kei­ner­lei Wir­kung gezeigt habe. Es gebe eben vie­le sehr, sehr schwar­ze Scha­fe, sagt Bernd-Josef Schul­te-Hob­ein. „Ich zah­le Hun­de­steu­er, ich darf das“, sei eine weit ver­brei­te­te Mei­nung. Er berich­tet von Hun­de­tou­ris­ten, die mit dem Auto durch die Land­schaft fah­ren und den Hund hin­ter­her­lau­fen las­sen, von Gelän­de­wa­gen, die das Gras platt fah­ren, von zurück­ge­las­se­nen Autos, die Ein­fahr­ten zupar­ken, so dass fürs Mähen ange­heu­er­te Lohn­un­ter­neh­mer unver­rich­te­ter Din­ge wie­der weg­fah­ren müs­sen, von Hun­de­be­sit­zern, die sich beschwe­ren, dass Wei­den ein­ge­zäunt sind, weil das ihren Hund behin­de­re, und von durch­ge­knips­ten Dräh­ten. „Wir kön­nen mit so einem Dreck nichts anfan­gen“, sagt Hans-Wil­helm Stöck­mann zur Qua­li­tät des Fut­ters, das auf sol­chen Flä­che geern­tet wird. In Allen­dorf soll nach­weis­lich eine der Zie­gen, die der Hei­mat­ver­ein nach alter Sit­te auf einer Natur­schutz­flä­che hält, an Hun­de­kot gestor­ben sein. Auch Andre­as Kai­ser, Vor­sit­zen­der des Hege­rings Sun­dern, ist auf frei­lau­fen­de Hun­de nicht gut zu spre­chen. Denn jede land­wirt­schaft­li­che Flä­che gehö­re auch zu einem Jagd­re­vier und abseits der Wege wür­den Hun­de dort die Rehe und Hasen hetzen.

Rechtslage klar: Kein Betretungsrecht

Keine Hundewiesen, sondern Nahrungsquelle fürs Vieh und indirekt auch für den Menschen. (Foto: oe)
Kei­ne Hun­de­wie­sen, son­dern Nah­rungs­quel­le fürs Vieh und indi­rekt auch für den Men­schen. (Foto: oe)

Aus der Hun­de­wie­sen-App ist die Flä­che von Bernd-Josef Schul­te-Hob­ein wie­der ver­schwun­den, sogar pro­blem­los. Doch gelöst sei das Pro­blem damit noch lan­ge nicht, „solan­ge das noch in den Köp­fen der Hun­de­be­sit­zer ist“. In die­sem spe­zi­el­len Fall hat er Ver­bots­schil­der auf­ge­stellt, was er aller­dings gene­rell für eher kon­tra­pro­duk­tiv hält, da jedes Ver­bots­schild sug­ge­rie­re, dass es da, wo kein Schild ste­he, erlaubt sei. Dabei ist die Rechts­la­ge sehr ein­deu­tig. „Das Gesetz ist bei land­wirt­schaft­li­chen Flä­chen sogar noch stren­ger als im Wald, wo es für ange­lein­te Hun­de auch ein Betre­tungs­recht abseits der Wege gibt“, sagt Hen­rik Nol­te, Jurist des Land­wirt­schaft­li­chen Kreis­ver­bands. Pri­va­te Wege in der Land­schaft dürf­ten von jeder­mann auch mit Hund genutzt wer­den, aber ein Betre­tungs­recht für land­wirt­schaft­lich genutz­te Flä­chen gebe es ein­fach nicht. Und jede Flä­che gehö­re jeman­dem und sei im Zwei­fel land­wirt­schaft­lich genutzt, wenn sie kein Natur­schutz­ge­biet sei. Und da sei­en die Regeln noch stren­ger. Letzt­lich durch­set­zen kön­ne der Land­wirt das Recht aller­dings nur mit einer zivil­recht­li­chen Kla­ge und dafür stei­ge eben nicht jeder sofort von sei­nem Trak­tor, so der Jurist.

Hundeschule: Laufen auf Wegen lernen und Dummys nutzen

Christiane Breiter mit einem 7 Euro teuren Dummy, den sie als Ersatz fürs Stöckchenwerfen empfiehlt. (Foto: oe)
Chris­tia­ne Brei­ter mit einem 7 Euro teu­ren Dum­my, den sie als Ersatz fürs Stöck­chen­wer­fen emp­fiehlt. (Foto: oe)

„Wir bit­ten des­halb alle Hun­de­hal­ter: Neh­men sie Rück­sicht auf ihre Bau­ern und deren Tie­re! Auch Rin­der haben Anspruch auf sau­be­res Fut­ter!“ appel­liert Bar­ba­ra Kru­se. Und wie man es als Hun­de­hal­ter rich­tig macht, dafür hat sie sich Tipps von Chris­tia­ne Brei­ter geholt. Die Che­fin der Hache­ner Hun­de­schu­le Brei­ter ist selbst auch Land­wir­tin und Jäge­rin und damit bes­tens im The­ma. Für sie ist es wich­tig, dass der Hund mög­lichst schon im Wel­pen­al­ter in die rich­ti­ge Rich­tung gelenkt wird und nicht nur Kunst­stück­chen, son­dern auch das Lau­fen auf Wegen auch ohne Lei­ne lernt. Zudem müs­se der Hund nicht mög­lichst viel ren­nen, son­dern intel­li­gent beschäf­tigt und gefor­dert wer­den. Nach 20 Minu­ten Nasen­ar­beit sei jeder Hund fix und fer­tig, aber ent­spannt und glück­lich. Und statt Stöck­chen oder Bäl­le zu wer­fen, die dann irgend­wo lie­gen blei­ben, sol­le der Hun­de­freund mit Dum­mys arbei­ten, die­se suchen las­sen, statt sie zu wer­fen. Die Dum­mys sei­en für wenig Geld zu kau­fen, aber doch so teu­er, dass sie nie­mand acht­los lie­gen­las­se. Außer­dem sei­en Stö­cke durch Ver­kann­ten im Kie­fer oder Split­ter für Hun­de Ver­let­zungs­quel­le Num­mer eins.

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Eine Antwort

  1. Da gebe ich den Land­wir­ten recht, ich habe auch einen Hund, und gehe in Wie­sen, nur das ich die Hin­ter­las­sen­schaf­ten dank Kot­beu­tel mit­neh­me! Wür­den ande­re Hun­de­hal­ter dies auch so hal­ten wäre alles gut

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