SPD-Fraktionsvize Michael Stechele kritisierte scharf, dass er über eine Beschlussvorlage diskutieren solle, die er erst anderthalb Stunden vor der Sitzung aus dem Umschlag gezogen habe. Bei einer für Sunderns Zukunft so wichtigen Frage offenbare das mangelnde Wertschätzung für Bürger und Politiker. Der SPD-Antrag, den Tagesordnungspunkt deshalb abzusetzen, wurde allerdings abgelehnt, ebenso wie zuvor der Antrag der Grünen, der Bürgerinitiative Amecke 21 ein Rederecht zu geben.
FDP beklagt peinliches Einbrechen der CDU vor dem Druck
FDP-Fraktionschef Oliver Brenscheidt sagte, die Entschuldigung des Bürgermeisters käme erheblich zu spät, und der öffentliche Druck sei auch auf Ratsmitglieder enorm. Er erwarte da mehr Respekt für das Ehrenamt. In der Sache sprach er von Verfilzungen und Verfehlungen in der Vergangenheit, die nun zu erheblichen Kosten führten. Er plädierte allerdings für das Ergebnis der Task-Force als „optimale Lösung“. Es sei peinlich, wie die Kollegen von der CDU vor dem Druck einbrächen und einen auf Bürgernähe machten. Die neue Vorlage sei eine Farce, die Investoren würden vergrätzt und es werde nur einen „Ferienpark light“ geben. Entscheidungen über die Zukunft der Freibadfläche werde der Rat „mit der Pistole von 850.000 Euro auf der Brust“ treffen.
Lange: „Lieber Weg der Sicherheit“
CDU-Fraktionsvize Stefan Lange ging auf einen Punkt ein, der ihm persönlich Bauchschmerzen gemacht habe, die in der Task-Force-Vereinbarung auftauchende „noch zu gründende Gesellschaft“. Mit dem Ergebnis der Task-Force hätte man das Regionale-Projekt fertigstellen können, so Lange, allerdings mit einem Partner, den man nicht kenne. Bei einem solchen Geschäft mit blauen Augen gebe es Zweifel und Unbehagen. Ihm sei da der Weg der Sicherheit lieber, der zwar Geld koste, aber Klarheit schaffe.
Stechele: Wortbruch des Bürgermeisters
Michael Stechele kritisierte bei Lins nicht nur einen Verstoß gegen die Geschäftsordnung des Rates, über den die Kommunalaufsicht entscheiden werde, und Schönrechnerei, sondern insbesondere die Aufgabe des öffentlichen Schwimmens: „Das ist das größte Trauerspiel ihrer Amtszeit, der größte Wortbruch, das werden Ihnen die Sunderaner lange nicht vergessen.“ Stechele forderte den Bürgermeister auf, die Verhandlungsführung in andere Hände zu legen, und bedauerte, dass ihm der Mut gefehlt habe, sich am 25. Mai dem Sunderner Bürger zur Wiederwahl zu stellen.
Becker: Viel Geld für wenig Land
Grünen-Fraktionschef Antonius Becker würdigte, dass die Holländer sich bewegt hätten, wenn auch nur auf Druck der Bürgerschaft. Er kritisierte allerdings die hohen Summen, die die Stadt Sundern für wenig Land bezahle. Er sehe das als kaschierte Rückzahlung des 200.000-Euro-Kredits an die Sundern Projekt GmbH, den die Stadt eigentlich nicht zurückzahlen müsse.
Martin: Freibadfläche in Ruhe entwickeln
CDU-Fraktionschef Günter Martin sagte, dass der Schwenk der Holländer seiner Fraktion gelegen komme. „So können wir die Freibadfläche behalten und in Ruhe entwickeln.“ Er erinnerte auch daran, dass der Sunderner Rat vor einigen Jahren schon kurz vor der Entscheidung stand, das Amecker Freibad wegen zu hoher Kosten zu schließen. Immerhin habe der jährliche Zuschuss für drei Monate Öffnungszeit bei 200.000 Euro gelegen.
Matthias Schulte-Huermann, Fraktionsloser ehemaliger Grüner, erinnerte daran, dass seinerzeit für viele Leute der Ferienpark nur durch die Zusage, das öffentliche Schwimmen zu erhalten, Sinn gemacht habe. Herbert Müller, CDU-Ratsmitglied mit 25 Jahren Erfahrung, widersprach da entschieden. Es sei nicht richtig, dass man dem Ferienpark zugestimmt habe, um das Freibad zu retten. Fast alle hätten den Ferienpark als große Chance für Arbeitsplätze und Tourismus gesehen. Das Freibad sei nur ein Nebeneffekt gewesen.
FDP-Fraktion verließ den Ratssaal
Als Bürgermeister Lins das Ende der Diskussion feststellte und zur Abstimmung überging, standen die sechs FDP-Ratsmitglieder wortlos auf und verließen den Ratssaal. Mit den Stimmen der CDU-Fraktion wurde der Beschlussvorschlag angenommen. Die Verwaltung soll jetzt die dargestellt Lösung unter Hinzuziehung eines Rechtsbeistands in notarielle Verträge überführen.
