von

Genera­tio­nen­wech­sel: Eli­sa­beth Viel­ha­ber wird Müh­len­bä­cke­rei in sieb­ter Genera­ti­on wei­ter­füh­ren

Eber­hard Viel­ha­ber lei­tet den sieb­ten Genera­ti­ons­wech­sel ein und über­gibt die Ver­ant­wor­tung nach und nach an Toch­ter Eli­sa­beth (Foto: Patrick Feld­mann)

Sto­ckum. Schon jetzt steht fest: 2019 wird für die Sto­cku­mer Müh­len­bä­cke­rei Viel­ha­ber ein ereig­nis­rei­ches Jahr. Es ist genau 200 Jah­re her, als die Müh­le von Fami­lie Viel­ha­ber erwor­ben wur­de. „Damit gehö­ren wir zu den zehn ältes­ten Unter­neh­men im Sauer­land.“, sagt Inha­ber Eber­hard Viel­ha­ber nicht ohne stolz. Für ihn per­sön­lich wird es aber auch ein beson­de­res Jahr, weil er nach gut 33 Jah­ren als Geschäfts­füh­rer lang­sam damit beginnt, das Unter­neh­men in die Hän­de sei­ner Toch­ter Eli­sa­beth zu über­tra­gen.

Orga­ni­sa­ti­on des Jubi­lä­ums­jahrs wird Eli­sa­beth Viel­ha­bers ers­te gro­ße Auf­ga­be

Die 27-jäh­ri­ge wuss­te schon früh, dass sie den elter­li­chen Betrieb eines Tages wei­ter­füh­ren wol­le. „Mit 14 Jah­ren woll­te ich mein Zim­mer neu gestri­chen bekom­men, denn es war pink und das woll­te ich schnellst­mög­lich ändern.“, erin­nert sich die ange­hen­de Unter­neh­mens­chefin augen­zwin­kernd an ein Schlüs­sel­er­leb­nis. Wegen der Gleich­be­hand­lung unter den drei Geschwis­tern hät­te Eli­sa­beth Viel­ha­ber dar­auf aber bis zu ihrem 16. Geburts­tag war­ten müs­sen. „Das wären doch sehr lan­ge zwei Jah­re gewor­den, also habe ich die Mög­lich­keit genutzt schon früh in der Back­stu­be eige­nes Geld zu ver­die­nen und von da an war mir klar, dass ich den Betrieb eines Tages über­neh­men möch­te.“

Eber­hard Viel­ha­ber wird dem Betrieb aber noch erhal­ten blei­ben. „Es gibt da kei­nen Tag X, an dem Eli­sa­beth alles macht und ich gar nichts mehr, son­dern das wird ein flie­ßen­der Über­gang Stück für Stück und damit wer­den wir kon­kret Anfang 2020 begin­nen.“, so der Bäcker­meis­ter. Denn vor­her wird Eli­sa­beth noch ihren zwei­ten Meis­ter machen. Die ange­hen­de Che­fin hat BWL in Iser­lohn und Karls­ru­he auf Mas­ter stu­diert, danach eine Bäcker-Aus­bil­dung absol­viert und ist inzwi­schen auch Bäcker­meis­te­rin. Doch damit nicht genug: Ab Sep­tem­ber wird sie außer­dem einen Meis­ter als Mül­le­rin machen. „Mir ist es wich­tig, mit unse­ren Mit­ar­bei­tern auf Augen­hö­he spre­chen zu kön­nen. Vie­le ste­hen seit vie­len Jah­ren in der Back­stu­be. Die Erfah­rung kann ich nicht ein­ho­len, aber das Wis­sen um das Hand­werk, die Abläu­fe und die täg­li­chen Her­aus­for­de­run­gen kann ich durch­aus ken­nen und das fin­de ich sehr wich­tig.“

Und wohin will sie das Unter­neh­men in Zukunft füh­ren? Auch da hat Eli­sa­beth Viel­ha­ber kon­kre­te Vor­stel­lun­gen und Plä­ne. Und da setzt sie zunächst auf Kon­ti­nui­tät. „Es wäre falsch, jetzt alles anders machen zu wol­len, denn es läuft ja sehr gut.“, stellt sie erfreut fest. Außer­dem sei sie sich mit ihrem Vater einig, dass Viel­ha­bers nicht mehr als 35 Filia­len betrei­ben soll­ten. Heu­te sind es fast 30. „Ab einer gewis­sen Grö­ße geht der Bezug zu den Mit­ar­bei­tern ver­lo­ren. Dann ruft man nicht mehr mal eben zum Geburts­tag an. Aber genau das wol­len wir bei­be­hal­ten.“ Dafür sieht Eber­hard Viel­ha­ber einen Bereich, der sei­ner Mei­nung nach in jün­ge­re Hän­de gehört: „Die Digi­ta­li­sie­rung hat auch unse­ren All­tag revo­lu­tio­niert. Und ich gebe zu: Face­book und Insta­gram sind nicht so mei­ne Welt.“, gesteht der 60-jäh­ri­ge lachend.

Dank­bar­keit und Ver­trau­en

„Dan­ke für so viel Ver­trau­en“ lau­tet das Mot­to des Jubi­lä­ums­jah­res bei Viel­ha­bers. Für den Seni­or­chef ein Satz, der nicht nur auf einer Ebe­ne etwas zu bedeu­ten hat. „Ich bin sehr dank­bar, dass ich den Betrieb Mit­te der 80er Jah­re von mei­ner Mut­ter über­nom­men habe. Ich bin dank­bar, dass ich die­se Fami­lie habe, denn sonst wäre das alles ja gar nicht mög­lich.“, sagt er und meint es sicht­bar so. Aber auch ohne Ver­trau­en gehe es nicht: „Unser Kun­den müs­sen uns ver­trau­en, dass wir ihnen Qua­li­tät lie­fern. Unse­re Mit­ar­bei­ter müs­sen uns ver­trau­en, dass wir in der Geschäfts­füh­rung klu­ge Ent­schei­dun­gen tref­fen und wir müs­sen unse­ren Mit­ar­bei­ter ver­trau­en, dass sie mit vol­lem Ein­satz dabei sind.“, erklärt Eber­hard Viel­ha­ber die Ent­ste­hung des Jubi­lä­ums-Mot­tos.

Eli­sa­beth Viel­ha­ber hat sich für das Jubi­lä­um viel vor­ge­nom­men. „Es wird das gan­ze Jahr über Aktio­nen in den Filia­len geben.“, ver­spricht sie. Unter ande­rem wird ein Info­stand mit einem Glücks­rad von Filia­le zu Filia­le rum­ge­hen. Das gro­ße High­light kommt dann aber am 31. August. „Wir pla­nen einen Tag der offe­nen Tür mit viel Pro­gramm und Aktio­nen für alle Alters­klas­sen. Und am Abend wer­den wir dann mit unse­ren Mit­ar­bei­tern, Freun­den und gela­de­nen Gäs­ten in der Schüt­zen­hal­le unser Jubi­lä­um fei­ern.“

Unter­stüt­zung der Neven-Subo­tic-Stif­tung

Die Geschäfts­füh­re­rin der Neven Subo­tic-Stif­tung Shari Mal­zahn (Foto: Patrick Feld­mann)

Das Jubi­lä­ums­jahr nut­zen Viel­ha­bers aber auch um sich für den guten Zweck zu enga­gie­ren. Fuß­ball­pro­fi Neven Subo­tic (frü­her BVB, heu­te Saint-Eti­en­ne) hat im Jahr 2012 eine Stif­tung gegrün­det, die es sich zur Auf­ga­be gemacht hat Men­schen im Nor­den von Äthio­pi­en mit sau­be­rem Was­ser zu ver­sor­gen. „Unser Ziel ist es, zwei neue Brun­nen zu rea­li­sie­ren.“, so Eli­sa­beth Viel­ha­ber. Ein ambi­tio­nier­tes Ziel, denn dafür wer­den rund 20.000 Euro benö­tigt. Die sol­len im Lau­fe des Jah­res und beim Jubi­lä­um im August gesam­melt wer­den. „Wir wer­den den gesam­mel­ten Betrag dann aber auch noch auf­sto­cken.“, ver­spricht die künf­ti­ge Che­fin, die Neven Subo­tic im Zuge einer Ver­an­stal­tung ken­nen gelernt hat. „Sei­ne Stif­tung hat sich dort vor­ge­stellt und ich kam danach mit Neven ins Gespräch über die Stif­tungs­ar­beit und so ist schon vor eini­ger Zeit die Idee ent­stan­den, die Neven-Subo­tic-Stif­tung zu unter­stüt­zen.“

Seit Grün­dung der Stif­tung wur­den in der Tigray-Regi­on in Äthio­pi­en 237 Brun­nen gebaut, über 100 Sani­tär­an­la­gen zum Bei­spiel an Schu­len ein­ge­rich­tet und ins­ge­samt 80.000 Men­schen haben dadurch Zugang zu sau­be­rem Was­ser, berich­tet die Geschäfts­füh­re­rin der Stif­tung Shari Mal­zahn. „Trotz­dem ist es immer noch so, dass vie­le Men­schen bis zu 6 Kilo­me­ter zu Fuß gehen müs­sen um dann zu einer Was­ser­stel­le zu gelan­gen, von der alles ande­re als klar ist, dass sie sau­ber ist.“, berich­tet Mal­zahn, die sel­ber regel­mä­ßig vor Ort ist. „Des­we­gen freu­en wir uns, dass Viel­ha­bers sich dazu ent­schie­den haben, uns dabei zu unter­stüt­zen und gemein­sam mit uns etwas zu bewe­gen in einer immer ver­rück­ter wer­den­den Welt.“ Und Eli­sa­beth Viel­ha­ber ergänzt: „Für uns passt die Unter­stüt­zung zum Mot­to unse­res Jubi­lä­ums, denn hier geht es auch dar­um, dank­bar zu sein, dass es uns gut geht und ande­re dar­an ein wenig teil­ha­ben zu las­sen“.

Tei­len Sie die­sen Bei­trag oder unter­stüt­zen Sie unse­re jour­na­lis­ti­sche Arbeit via Pay­pal:

Schreibe einen Kommentar

Ähnliche Artikel

Anzei­ge

Kon­takt zur Redak­ti­on

Anzei­ge

Schon gelesen?