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Akten ver­nich­tet? Schwe­re Vor­wür­fe im Zusam­men­hang mit der Frei­bad-Schlie­ßung

Lud­wig Gre­ven (Foto: Bernd Schwa­be in Han­no­ver)

Sun­dern. Schwe­re Vor­wür­fe im Zusam­men­hang mit der Frei­bad-Schlie­ßung: Bei der Sor­pe­see GmbH sol­len Akten ver­nich­tet wor­den sei­en, die bei Straf­er­mitt­lun­gen gegen den ehe­ma­li­gen Geschäfts­füh­rer und spä­te­ren Bür­ger­meis­ter Det­lef Lins eine wich­ti­ge Rol­le hät­ten spie­len kön­nen. Das schreibt der unab­hän­gi­ge Jour­na­list Lud­wig Gre­ven, der vor eini­gen Wochen mit einem Arti­kel im „Stern“ (wir berich­te­ten) für Auf­se­hen sorg­te.

Hin­ter­grund sei­ner neu­es­ten Recher­chen war der Antrag der SPD-Frak­ti­on auf Abriss des ehe­ma­li­gen Frei­bads ober­halb des Sor­pe­see-Vor­be­ckens.

Unter­la­gen sol­len ver­brannt wor­den sein

Gre­ven habe im Rah­men sei­ner Recher­chen erfah­ren, dass Unter­la­gen der kom­mu­na­len Sor­pe­see GmbH dazu ver­brannt wor­den sei­en. „Wahr­schein­lich, um Machen­schaf­ten und unsau­be­re Geschäf­te zum geplan­ten Ver­kauf des wert­vol­len See­grund­stücks an einen Pri­vat­in­ves­tor zu ver­tu­schen“, schreibt er in einem Bei­trag in sei­nem eige­nen Blog (https://quersatz.wordpress.com/2019/09/17/sundern-wurden-akten-zum-freibad-amecke-vernichtet).

Um das Frei­bad zie­he sich eine lan­ge trau­ri­ge Geschich­te. „2009 beschloss die städ­ti­sche Sor­pe­see GmbH als Eigen­tü­me­rin unter Ver­ant­wor­tung des dama­li­gen CDU-Bür­ger­meis­ters Lins, das in den 1970er Jah­ren gebau­te Bad für ein Jahr zu schlie­ßen. Begrün­dung: Das Bad müs­se saniert wer­den, die dafür not­wen­di­gen 1,1 Mil­lio­nen Euro fehl­ten. Dabei war erst vier Jah­re vor­her die gesam­te Tech­nik erneu­ert wor­den. Im fol­gen­den Jahr ent­schied dann die Geschäfts­füh­rung der GmbH eben­falls eigen­mäch­tig, das Bad nicht wie­der zu öff­nen. Dabei blieb es bis heu­te. Schlim­mer noch: Die gera­de erst ein­ge­bau­ten Pum­pen und Lei­tun­gen wur­den still und heim­lich aus­ge­baut und offen­bar unter der Hand ver­kauft. Die Fol­ge: Das Frei­bad ver­fiel und ist heu­te nur noch eine Rui­ne“, so Gre­ven.

Auf Antrag des SPD-Frak­ti­ons­vor­sit­zen­den, Micha­el Ste­che­le, soll­te nun ges­tern Abend der Stadt­ent­wick­lungs­aus­schuss beschlie­ßen, die Res­te des Frei­bads zu besei­ti­gen. „Für den Abriss muss die Stadt etwa 200.000 Euro auf­brin­gen. Begrün­dung von Micha­el Ste­che­le: Bei einem geplan­ten Ver­kauf des Grund­stücks an einen Inves­tor stel­le der jet­zi­ge Zustand eine Wert­min­de­rung dar. Außer­dem vers­ur­sa­che die Frei­bad-Flä­che jedes Jahr Kos­ten für die Stadt, und sie sei ein ‚Schand­fleck‘.“

Absicht­li­chen Zer­stö­rung?

Das Frei­bad in Ame­cke ver­fällt seit 2011 (Foto: Archiv)

Lud­wig Gre­ven wei­ter: „Nun erfuhr ich, dass Akten der Sor­pe­see GmbH, die ver­mut­lich die gesam­ten Vor­gän­gen rund um die Schlie­ßung des Frei­ba­des, sei­ne absicht­li­che Zer­stö­rung und den geplan­ten Ver­kauf des Grund­stücks an einen Inverstor betref­fen, offen­bar gezielt besei­tigt wur­den. Die Mut­ter des Pro­ku­ris­ten der Gesell­schaft soll 2016 auf einem Fest am Sor­pe­see gegen­über Zeu­gen aus­ge­sagt haben, dass sie die Unter­la­gen für ihren Sohn ver­brannt habe. Sie hät­ten auch ihren Mann betrof­fen, den ver­stor­be­nen Vater des Pro­ku­ris­ten, der eben­falls bei der Sor­pe­see GmbH im Bäder­be­reich gear­bei­tet hat­te. Das bestä­tig­ten mir zwei der Ohren­zeu­gen. Was die Mut­ter von Niklas Wort­mann nicht wuss­te: Die bei­den und ande­re Umste­hen­de gehö­ren zu der Inia­ti­ve, die sich seit vie­len Jah­ren für eine Wie­der­eröff­nung des Frei­bads ein­setzt. Sie habe noch gesagt, sie bedaue­re, dass sie die Akten ver­brannt habe. Denn sie hät­ten bei Straf­er­mitt­lun­gen spä­ter noch eine wich­ti­ge Rol­le spie­len kön­nen.

Zum Hin­ter­grund: Gegen Lins, der selbst Geschäfts­füh­rer der Sor­pe­see GmbH war, bevor er Bür­ger­meis­ter wur­de, wur­de wegen zwie­lich­ti­ger Geschäf­te zwi­schen der Stadt, der Sor­pe­see GmbH und der Stadt­mar­ke­ting-Gesell­schaft wegen Ver­dachts der mehr­fa­chen Untreue ermit­telt, sei­ne Amts­räu­me und sein Pri­vat­haus wur­den durch­sucht . Des­we­gen stell­te ihn die CDU 2015 nicht wie­der auf. Die Ermitt­lun­gen wur­den spä­ter gegen Zah­lung einer Geld­bu­ße ein­ge­stellt.

An die Ent­schei­dung, das Frei­bad 2010 zu schlie­ßen, kön­ne sich der Pro­ku­rist der Gesell­schaft nicht genau erin­nern, obwohl er schon damals zur Geschäfts­füh­rung gehör­te. Die Ent­schei­dun­gen sei­en in jedem Fall in Abstim­mung mit dem dama­li­gen Bür­ger­meis­ter Lins und dem Rat getrof­fen wor­den. Gre­ven: „Vom Rat gab es dazu jedoch kei­nen Beschluss, weder das Bad erst vor­über­ge­hend noch es dann end­gül­tig zu schlie­ßen. Im Rat­haus gibt es angeb­lich eben­falls kei­ne Akten mehr dazu.“

Der Pro­ku­rist äußer­te sich laut Gre­ven wei­ter, die Ent­schei­dung, das Bad 2010 nicht wie­der zu eröff­nen und auf eine Reno­vie­rung zu ver­zich­ten, habe im Zusam­men­hang mit der Zusa­ge eines Inves­tors gestan­den, der auf dem benach­bar­ten Grund­stück Feri­en­ap­par­te­ments errich­ten und dafür einen Ersatz für das Schwimm­bad schaf­fen woll­te. Die­ses Pro­jekt sei jedoch spä­ter geplatzt, weil der Inves­tor das nöti­ge Geld nicht auf­brach­te. „Nun soll offen­bar ein neu­er Inves­tor gesucht wer­den. Die Rui­ne des Frei­bads wur­de inzwi­schen von der Sor­pe­see GmbH an die Stadt zurück­ge­ge­ben, die des­halb auch für die Abriss­kos­ten auf­kom­men soll“.

Bad im Auf­trag „aus­ge­plün­dert?“

Lud­wig Gre­ven stellt wei­te­re Fra­gen. So sei seit Jah­ren unklar, wer ver­an­lasst hat, dass die Tech­nik des Frei­bads „heim­lich ver­kauft wur­de und an wen die Erlö­se geflos­sen sind“. Wie zum Bei­spiel sei die Was­ser­rutsch­te nach Gre­ven­stein gekom­men? Und wes­halb hät­ten Ver­ant­wort­li­che der Stadt und der GmbH kei­ne Anzei­ge wegen Unter­schla­gung städ­ti­schen Eigen­tums erstat­tet, als sie davon erfuh­ren?

Im Gespräch mit Gre­ven soll CDU-Rats­mit­glied Fried­rich Becker, der seit 2009 in der Gesell­schaf­ter­ver­samm­lung der Sor­pe­see GmbH sitzt, gesagt haben: „Ich habe Hin­wei­se, an wen die tech­ni­sche Ein­rich­tung gegan­gen ist.“ Er sei über­zeugt, dass dahin­ter der dama­li­ge und heu­ti­ge Geschäfts­füh­rer der Sor­pe­see GmbH steck­te. Der habe ent­schie­den, das Bad aus­zu­plün­dern – „im Auf­trag von Lins“, so Gre­ven. Der Inves­tor, der die Feri­en­ap­part­ments neben­an bau­en woll­te, habe die Opti­on gehabt, auch das gro­ße städ­ti­sche Frei­bad-Grund­stück zu kau­fen, habe aber dar­auf ver­zich­tet.

The­ma in Bür­ger­fra­ge­stun­de

Becker habe zudem dar­auf hin­ge­wie­sen, dass die Sor­pe­see GmbH jedes Jahr 1,1 Mil­lio­nen Euro von der Stadt für den Bad- und Kur­be­trieb erhal­te. Den­noch habe sie zwi­schen 2008 und 2012 einen Fehl­be­trag von 670.000 Eure erwirt­schaf­tet, der zunächst in der Bilanz ver­steckt wor­den sei und den sie nun von der Stadt erstat­tet haben wol­le. „Also in der Zeit, in der das Frei­bad geschlos­sen, geplün­dert und dadurch zer­stört wur­de – ein Mil­lio­nen­scha­den“.

Auch Mario Blo­me, einer der Initia­to­ren für den Erhalt des Frei­bads, fragt bei Face­book, war­um die Erlö­se aus der „rechts­wid­ri­gen Ver­äu­ße­rung des Inven­tars“ nicht mit den Ver­lus­ten gegen­ge­rech­net wer­den. Die­se und wei­te­re Fra­gen zum „Schand­fleck“ in Ame­cke wol­le er am Don­ners­tag in der Ein­woh­ner­fra­ge­stun­de im Rat Bür­ger­meis­ter Ralph Bro­del stel­len. „Der sah sich auf mei­ne Anfra­ge bis jetzt nicht in der Lage, zu dem Kom­plex Stel­lung zu neh­men“, so Gre­ven abschlie­ßend, der gleich­zei­tig ankün­dig­te, wei­ter zu recher­chie­ren.

Zum Ori­gi­nal­ar­ti­kel: https://quersatz.wordpress.com/2019/09/17/sundern-wurden-akten-zum-freibad-amecke-vernichtet/

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Ein Kommentar zu: Akten ver­nich­tet? Schwe­re Vor­wür­fe im Zusam­men­hang mit der Frei­bad-Schlie­ßung

  • Ich bin gebür­ti­ge Köl­ne­rin. Dort nennt man der­ar­ti­ge Vor­gän­ge augen­zwin­kernd Köl­scher Klün­gel. Das in Sun­dern ist eine Faust aufs Auge des Bür­gers. Von Sun­de­raner Klün­gel kann nicht mehr die Rede ein.

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